Carmela de Feo, die schwarze Witwe der Kleinkunst
Foto: RHD

Abgedrehter Weihnachtswahnsinn

26. November 2015

Vom Ende der Gemütlichkeit – stattdessen wird gefeiert – Komikzentrum 12/15

Da kann der Verein Deutsche Sprache (VDS) noch so wettern und X-mas als „das überflüssigste und nervigste Wort des Jahres 2008 in Deutschland“ bezeichnen: es hat sich längst durchgesetzt – und steht damit im Gegensatz zur gediegenen Feierlichkeit, die so mancher Couch-Potato und der VDS mit Weihnachten verbindet: „Gemütlichkeit, deutsche Weihnachtstraditionen, Romantik, Christlichkeit“. Alles Humbug: mir ist der seit frühchristlichen Zeiten bekannte Buchstabe X jedenfalls lieber als jede Deutschtümelei.

„Akte X-mas“ heißt denn auch folgerichtig die Weihnachtsrevue, auf der der Clash der Kulturen mir Karacho zelebriert wird: wenn sich Sprachakrobaten wie Katinka Buddenkotte, Fritz Eckenga, Torsten Sträter und Andy Strauß zusammentun, um den Weihnachtswahnsinn aufzuspüren, kann man sicher sein, dass es hoch her geht. Tschüss Gemütlichkeit! Stattdessen wird jeder Ton, jedes Wort, jeder Satz willkommen geheißen, der dem Fest seine Bedeutung als wilde Geburtstagsparty wiedergibt. Da wird die Weihnachtsgans Auguste ganz gewiss mit jeder Menge Unbotmäßigkeit, viel Witz und Schmackes gefüttert.

Neben den bereits erwähnten Autoren werden Jenny Bischoff, Claus Dieter Clausnitzer, Ulrich Schlitzer und Björn Jung als Sprecher die von Thomas Koch moderierte und von WDR 5 präsentierte Show anreichern – neben den Musikern Charlotte Brandi, Matze Prölloch und Paul Wallfisch. Zu erleben ist der X-mas-Spaß am 14. im Oberhausener Ebertbad, am 15. in der Gelsenkirchener Kaue, am 17. in der Lindenbrauerei in Unna und am 18. und 19. im Fritz Henßler Haus der Jugend in Dortmund, und zwar im Rahmen des Comedy-Festivals „Watt´n Hallas!“ (für Zugezogene: das bedeutet so viel wie „Was für ein Stress!“).

Respektlos geht auch Carmela de Feo in „La Signoras Weihnachtsshow 'Wünsch Dir was!'“ mit all der geballten Besinnungs-Heuchelei um (am 10. im Bochumer Bahnhof Langendreer). Die schwarze Witwe der Kleinkunst („nur echt mit dem schwarzen Haarnetz“) prangert in der „schrägsten Weihnachtsshow seit der Vertreibung aus dem Paradies“ die Zumutungen an, mit denen die himmlischen Heerscharen und ihre Chefs zu kämpfen haben. Das Christkind ist hoffnungslos überarbeitet und droht mit einem massiven Burnout-Syndrom, der Weihnachtsmann hat die Faxen dicke und geht in Altersteilzeit, der Nikolaus muss sich wegen illegaler Geschäfte vor dem Herrn verantworten und die Rentiere gehorchen dem Gewerkschaftsaufruf und legen ihre Arbeit nieder. Kurz: im Himmel ist die Hölle los und Carmela de Feo beschreibt das Chaos.

Zu einem vorweihnachtlichen Dauerbrenner hat sich „Gottes Werk und Martins Beitrag“ in den letzten Jahren gemausert. Nach diesem Dezember ist aber Schluss mit Martin Zingsheims besonderem Blick auf die postmoderne Gesellschaft im Ausnahmezustand. Deswegen die dringende Empfehlung, sich am 15. in die Flottmann-Hallen (Kulturzentrum Herne) oder am 19. ins Dortmunder Cabaret Queue zu begeben, um dabei zu sein, wenn der bekennende Hobbyatheist einen kompletten Jahresrückblick in ein einziges Lied presst. Andere brauchen dazu einen ganzen Abend – also nichts wie hin, es ist die letzte Gelegenheit – schwört wie immer hoch und heilig die stets über Tage lebende

Anne Nüme

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