Die Bühne scheint eine Laborsituation für Psychotherapeuten. Dort liegt wohl Hannes Kürmann, Professor für Verhaltensforschung, als Krebspatient auf der Couch und denkt über das kosmische Spiel von Ursache und Wirkung nach. Max Frisch sucht in seinem Stück „Biografie: Ein Spiel“ nach Auswegen im Entscheidungsbaum der Menschheit und stellt sich die Frage, ob Kohlenstoffeinheiten überhaupt in der Lage sind Entscheidungen zu treffen. Das ist eine Frage, die heute die Neurobiologie definitiv mit Nein beantwortet, Frisch hat sie in seiner neuen Fassung von 1984 bereits ähnlich beantwortet und so kommt das Problem zwischen Leib und Seele und Intellekt im Essener Grillo-Theater auch rüber.
Thomas Ladwig inszeniert das Stück geschickt auf einem drehbaren Kreis, auf dem sich weitere Requisiten drehen und sich so die Konstellationen und Zeiten immer neu konstruieren lassen. Es scheint den Charme des Boulevard zu atmen, doch dieses Gefühl hält nur Minuten: Kürmann weigert sich, den Tatbestand der Realität anzuerkennen und bekommt als Vision eine zweite Chance: Hätte er Antoinette damals konsequent aus der Wohnung komplimentiert, dann hätte er nicht geheiratet, wäre nicht krank geworden. Logik, Schach und Wittgenstein schweben durch den Raum, doch so einfach wird es nicht werden. Die drei Spielfiguren Silvia Weiskopf, Stefan Migge und Jens Winterstein wechseln auf der Bühne Kostüme, Zeiten und Dialoge, am Ende wird sich nichts geändert haben, nur die Bühne und die zwei durchsichtigen Garderoben rechts und links scheinen derangiert zu sein, das Schicksal lässt sich eben nicht betrügen.
„Biografie: Ein Spiel“ | R: Thomas Ladwig | 15., 28.12., 17.1. 19.30 Uhr | Grillo-Theater, Essen | 0201 812 22 00
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