Strahlende Menschen laufen geradewegs auf die Sanitäreinrichtungen zu. Breitgrinsend stolpern in schwarz-gelb Gekleidete aus dem Massageraum und schließen sich zum Toilettengang an. Es wird gelacht und mit Bier angestoßen. Um diese Szenerie zu verstehen muss man bestenfalls aus dem Ruhrgebiet kommen und um die Begeisterung für ein Pissoir gleichermaßen zu teilen, zudem BVB-Fan sein. Das 13. LesArt.-Festival in Dortmund zeigt Literatur in den verschiedensten Erscheinungsformen und formt das geschriebene Wort zu Neuerscheinungen. In diesem Sinne sind die LesArt.-Besucher in den Umkleidekabinen des BVBs zusammen gekommen um die Liebe zu Borussia, zum Fußball und zur Literatur miteinander zu vermählen. Es ist eine gelungene Verbindung, die das LesArt.-Festival zum 5.Mal im Signal-Iduna-Park eingeht. Anstatt zu duschen und Mannschaftsbesprechungen abzuhalten wird in den Umkleidekabinen gelesen. Und doch hat diese besondere Lesung Ähnlichkeiten mit einem Fußballspiel. Es gibt zwei Halbzeiten, einen Seitenwechsel und eine Halbzeitpause. Ein Pfiff und die Zuhörer werden pragmatisch in zwei Gruppen geteilt.
Heim und Gastspiel
In der Heimkabine warten Journalist Gregor Schnittker und Schriftsteller Akos Doma auf das Publikum und auf den Techniker. Es ist eine ungezwungene Atmosphäre und die Vorleser beginnen kumpelhaft. In der heimischen Umkleide soll an diesem Abend ein Schlaglicht auf das Tragische im Fußball geworfen werden. Denn Niederlagen gehören zum Fußballgeschäft ebenso dazu, wie die Siege. Schnittker und Damos bringen im rauen Ton das Feinfühlige der Fußballwelt an den Ball. Nach Filmschätzen aus der Fußballgeschichte und den tragisch-komischen Erzählungen geht es in die Gastkabine. Hier liest der Journalist Arnd Zeigler über die Notwendigkeit des Star-Indexes, das Phänomen des „Dauersupports“, das Wesen des „Winkers“, oder das Verschwinden des Nasenpflasters im Fußball. Schriftsteller Nicol Ljubic ist der Fußballkumpel, der Zeigler interrogativ mit einer Flanke den Ball zuspielt. Dieser nimmt ihn an und schießt mit einem ironischen Fußball-Sarkasmus ein Tor für den fußballerischen Humor. Ergebnis: Sieg für die Fußballkultur.
„Gedichte werden rund geformt, wie Kieselsteine im Mund“ (Hellmut Opitz)
LesArt. ist variabel und liest sich nicht fest. So zu erleben beim Wettbewerb „postpoetry“ im Theater Fletch Bizzel. Gedichte sind „lauter Dinge, die noch nie so gedacht und gefasst wurden“ erklärt Moderatorin Marie T. Martin. Ja, die Lyrik ist oftmals kurz und könnte doch gerade dadurch so zeitgemäß in die Schnelllebigkeit des 21. Jahrhunderts passen. Doch auch Nachwuchsautor Jason Bartsch bedauert, dass Literatur für ihn zwar der wichtigste Wegweiser sei, aber für seine Generation eher minder interessant ist. Dabei, findet Lyrikerin Bärbel Klässner, bräuchten Gedichte Hörer. Die bekamen sie dann auch bei der Preisverleihung, denn sowohl Nachwuchsautoren und Lyriker präsentierten ihre Wortkunst mit ausdrucksstarken Stimmen. Die Zuhörer fuhren lyrisch durch die Metro, in eine Notaufnahme, durch die Stadt, in Beziehungskisten, aber auch an tragische Orte der Vergangenheit. Aber was genau ist „postpoetry“? Schriftstellerin Monika Littau erklärt es simpel:„Postpoetry bedeutet, dass Poesie mit der Post geschickt wird.“ Es ist eine Lyrik, die thematisch und tatsächlich im digitalen Zeitalter angekommen ist. So bekamen die Preisträger je 2000 Postkarten mit ihren Gedichten, die sie nicht nur im Netz posten, sondern auch analog adressieren können. Noch bis zum 18.11. haben Interessierte die Möglichkeit cross-literarisch unterhalten zu werden. Das LesArt.-Festival geht ganz sicher nicht unter, sonder macht es einfach nur richtig.
Festival „LesArt.“ I 8.11.-18.11.2012 I verschiedene Orte in Dortmund I mehr Infos zum Programm unter www.lesart-literaturfestival.de
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