Foto (Ausschnitt): Albert Madsen

Glühender Zorn

06. Juli 2026

„Das Teufelsbuch“ von Asta Olivia Nordenhof – Textwelten 07/26

Noch über dem Titel des neuen Romans „Das Teufelsbuch“ von Asta Olivia Nordenhof steht auf dem Buchumschlag der Satz: „Ich habe mich verkauft, wie alle.“ Eine Aussage, der man im Kapitalismus die allgemeine Gültigkeit nicht absprechen kann. Überheblichkeit ist also fehl am Platz, wenn die Erzählerin davon berichtet, wie sie in einem Bordell anheuert und dort reichlich Geld als Prostituierte verdient. Später erfahren wir von ihrem Aufenthalt in der Psychiatrie, ihrer Medikamentenabhängigkeit, und wie sie sich mit Hilfe der Literatur aus all diesen Abhängigkeiten wieder hat retten können.

Die Handlung des Romans „Das Teufelsbuch“ entspricht der Lebensgeschichte seiner 38-jährigen Autorin. Die Dänin Asta Olivia Nordenhof verknüpft die eigene Biographie mit einer der größten Schiffskatastrophen des 20. Jahrhunderts, bei der 1990 auf der MS Scandinavian Star 159 Menschen starben. Ein Unglück, das nie ganz aufgeklärt wurde. Möglicherweise ist es gerade diese Tatsache, die Nordenhof in den Sog dieses Dramas zog, dass sie einen siebenteiligen Romanzyklus entwarf, der den Titel „Scandinavian Star“ trägt. „Das Teufelsbuch“ ist sein zweiter Teil, der jedoch in sich abgeschlossen ist. Seine Dynamik erhält er durch zwei erotische Begegnungen. Gleich zu Beginn trifft die Erzählerin während der Wochen der Pandemie am Flughafen auf einen Mann, dem sie nach London folgt. In dessen Apartment beginnt sie zu schreiben und versucht, die unheimliche Episode mit einem Mann zu verarbeiten, der sie im Bordell gekauft hatte und mit verbundenen Augen mit nach Mailand nahm. Ein wechselvolles Spiel von Selbstbestimmung und Dominanz begann, das physische und psychische Spuren hinterließ.

Spuren hinterlässt auch die Prosa von Asta Olivia Nordenhof, da sie von einer Art glühendem Zorn angeheizt wird. Die Wunden, die der Kapitalismus geschlagen hat, werden hier mit einem feministischen Furor beantwortet, der dem Roman einen atemlosen Drive verleiht. Nordenhof schlägt zurück mit knallharter Direktheit, vollkommen Illusionslos und dennoch bleibt sie stets verletzlich. Darin liegt das Geheimnis dieser Prosa, sie ist in jedem Moment kämpferisch und verliert doch nie ihre Zartheit.

Asta Olivia Nordenhof: Das Teufelsbuch | A. d. Dän. v. Ursel Allenstein | Claassen | 160 S. | 24 Euro

Thomas Linden

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