Mit Literaturpreis ausgezeichnet: Said
Foto: Ulrich Schröder

Aufrechte Literatur

28. September 2017

Unna: Said erhält Felsenburg-Preis – Lesezeichen 10/17

Said heißt im Persischen so viel wie „der Glückliche“. Und glücklich schätzen kann sich der 1947 geborene iranische Exil-Autor, der bereits 1965 nach Deutschland kam und diesen Namen als Pseudonym verwendet: Nach zahlreichen Auszeichnungen – darunter die Goethe-Medaille und das Bundesverdienstkreuz – wurde Said am 10.9. im Rahmen des vom Westfälischen Literaturbüro Unna organisierten Festivals „hier!“ der „Alfred-Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur“ verliehen. Dauerhafte Themen im Werk des früheren APO-Aktivisten sind Flucht und Exilantentum – so auch in der 2016 erschienenen Gedichtsammlung „auf der suche nach dem licht“, wo er sich zudem kritisch mit dem Koran auseinandersetzt. Vor der Preisverleihung im Nicolaihaus las der Autor in der Evangelischen Stadtkirche Unna aus seinem Lyrikband „Psalmen“ (C. H. Beck 2007). Es ist nicht die Perspektive des Gläubigen, sondern die des Abtrünnigen, welche das Lyrische Ich in den Psalmen einnimmt: „Siehe, oh Herr, ich sing kein Lob auf Dich – ich suche Dich.“ Kurz stockt seine Stimme in der gotischen Hallenkirche, als er fortsetzt: „Nimm die Flüchtlinge auf – weil jede Flucht in Deinem Auge endet.“ Ein berührender Moment. „Nur, wer an Dir zweifelt, sucht Dich.“ Der Autor beendet die literarische Psalmen-Rezitation schließlich – implizit durchaus politisch – mit einer poetischen Preisung der „einfältigen Margeriten, die sich auf jeden Frühling freuen, ohne an den Herbst zu denken und an seine raffgierigen Finger.“

Exilantentum ist für Said auch über das irdische Leben hinaus existenziell: „wo ich sterbe, ist meine fremde“, zitiert der Autor einen weiteren Lyrikband-Titel von 1994 und grenzt seine Diaspora etwa von der Attitüde eines Thomas Mann ab, der selbst 1938 im US-amerikanischen Exil noch behauptete, sein Heimatland in sich zu tragen. Ein Versuch, nach dem Sturz des Schahs von Persien 1979 in den Iran zurückzukehren, scheiterte: „Die Machthaber wechseln – der Terror bleibt.“ Nicht nur auf der Ebene der Nationalität, sondern auch als Künstler stellt der Literat Konzepte von Identität infrage: „Der Autor ist nicht Autor, sondern Gegenstand seiner Poesie.“

ULRICH SCHRÖDER

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