Es gibt so Stücke, die treffen den Nerv der Zeit, thematisierten ein aktuelles Problem, werden an den Theatern rauf und runter gespielt und sind nur ein paar Jahre später in Vergessenheit geraten. Die Bühnenfassung des 2010 veröffentlichten Romans „Tschick“ wird mit Sicherheit nicht dazu gehören. Wolfgang Herrndorf erzählt darin die Erlebnisse zweier Vierzehnjähriger aus Berlin, die mit einem gestohlenen Lada durch die ostdeutsche Provinz fahren. So weit, so einfach. „Tschick“ wurde 2011 mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und zwangsläufig ein Renner an den deutschen Bühnen. Jetzt ist die Fassung der jungen Regisseurin Romy Schmidt auch am Bochumer Prinz Regent Theater zu sehen. Und was für eine: Locker flockig, mit witzigen Regieeinfällen gespickt, mit drei sehenswerten jungen Schauspielern ausgestattet, rattert Schmidt durchs zeitgenössische Roadmovie, immer die Balance haltend zwischen der schnodderigen Sprache von Herrndorf und dem Anspruch kein ausgesprochenes Jugendstück zu inszenieren – obwohl es auch in der Stückfassung von Robert Koall genau ums Erwachsenwerden, um Freundschaft und Liebe, aber eben auch um Fremdenfeindlichkeit und das grundsätzlich Gute im Menschen geht.
Erzählt wird die ganze Geschichte von Maik (Helge Salnikau), der Sommerferien hat und 200 Euro vom Papa, welcher mit seiner Sekretärin in den Urlaub fährt, während seine Mutter mal wieder im Alkoholentzug weilt. Dazu kämpft Maik mit den üblichen Problemen, hält sich für langweilig und ist unglücklich verliebt in Tatjana aus seiner Klasse, schwärmt als Ersatz für Beyoncé. Also macht er sich eher widerwillig auf die abenteuerliche Reise in die Walachei mit dem russischen Klassenkameraden Tschick (Alexander Ritter). Zusammen im gestohlenen Lada. Das Abenteuer beginnt.
Romy Schmidt inszeniert auf einer reduzierten Bühn. Die Landschaften entstehen in Aufklapp-Tafeln, der Alexanderplatz in Modellbaugröße ist aus Pappe, der Lada besteht nur aus zwei Stühlen. Und dennoch, Maik hat Beyoncé und Tatjana bald vergessen. Zwischen Abraumhalde und Autobahn lernen sie Menschen und zahlreiche Gefahren kennen, die sie im Prinz Regent Theater locker in zwei Stunden durchleben.
„Tschick“ | R: Romy Schmidt | 4./5.2., 8./9./25./26.3. | Prinz Regent Theater Bochum | Infos: 0234 77 11 17
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