Will Oldham ist viele – als Palace Music, Palace Brothers, Palace, doch meist unter dem Pseudonym Bonnie ,Prince‘ Billy veröffentlicht er seit über 30 Jahren seine Musik, hochproduktiv und völlig unabhängig. Die Songs seines letzten Albums „Keeping Secrets Will Destroy You“ (2023) bilden den Schwerpunkt im einzigen NRW-Konzert des Sängers aus Kentucky am 15.10. in der Essener Lichtburg. 10 Jahre lang war er zuvor nicht mehr in Deutschland auf Tour gewesen.
Geht man vom Hauptbahnhof die Kettwiger Str. („Essen – die Einkaufsstadt“) hinunter, dominieren die drei Ks: Krupp, Kirche und Konsum, oder auch Ketten, Ketten, Ketten. Das vierte K widersetzt sich dem Anpassungsdruck: es ist die in Essen erfreulich starke Kinokultur, mit der Lichtburg als zentralem Mittelpunkt. Bonnie 'Prince' Billy passt also genau hierhin. Auch er ist nirgends einzuordnen.
Da sitzen sie zu dritt auf der Bühne vor der verhängten Leinwand. In der Mitte Oldham singend mit Akustikgitarre. Zu seiner linken Elizabeth ,Fuchsia‘ Parker an Viola (Bratsche), zu seiner rechten Thomas Deakin, abwechselnd an Klarinette, Trompete oder E-Gitarre. Die beiden sorgen für musikalische Reibung, vor allem Deakin holt mit seinen Trompetenausflügen, Gitarrenlicks und Begleitvocals einiges aus den im Grunde spartanischen Songs heraus. Bei einer Reihe von Liedern wirkt noch Ned Collette an der Gitarre mit, der auch das Vorprogramm bestritten hat.
Das zentrale Element der Show ist die Gesangsperformance des ,Prince‘. Nicht so intim wie auf den Studioaufnahmen singt er hier. Jedes Wort seiner Texte wird beinahe ehrfürchtig mit seinem meist klaren, mal brüchigen Tenor geformt. Wenn es lautmalerisch wird, bewegt er sich genau so weit weg vom Mikro, dass es sich in den Gesamtsound einfügt; ansonsten variiert er den Abstand den ganzen Abend lang exakt so, wie die Dynamik des Gesangs es erfordert.
Er erweckt so die Charaktere, von denen er singt, zum Leben, wie der Schauspieler, der er ja ursprünglich war und sporadisch immer noch ist. „Ich bin kein Musiker“ sagte er einmal in einem Interview und meinte damit, dass er sich im Dienste eines – seines – Textes sieht, den er verkörpert, mit Leben füllt („being at the mercy of the text“). Er spiele, da ist das Pseudonym hilfreich, die Rolle des Sängers, der außerhalb des Songs nicht existiert. Versunken in die tiefen Kinosessel verehren wir so die Lieder von Bonnie ,Prince‘ Billy, während uns Will Oldham auf Abstand hält.
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