So ist das mit den Plänen. Es kommt darauf an, ob es welche gibt und wer überhaupt den Plan hat. Keinen Plan hat in „Tod“ von Woody Allen jedenfalls ein gewisser Kleinmann (Alber Bork), den die Bürgerwehr mitten in der Nacht aus Schlaf und Bett reißt, um auf Patrouille zu gehen. Man sucht einen Mörder und die aufrechten Bürger fühlen sich nicht geschützt. Das Theater an der Ruhr hat Allens frühe Groteske genutzt, um das offensichtlich gestörte Verhältnis der Bürger zu ihrer Sicherheit zu karikieren. „Bürger! Schützt Euch selbst!" mit diesem Schlachtruf stürmen die militanten privaten Schutzmächte in Kleinmanns Schlafzimmer, das geschickterweise gleich auf der Mainstreet mit gelber Bordsteinkarte steht. Die Hausfassade ist milchig-transparent und lässt die Protagonisten per Scheinwerfer riesige Schatten werfen. Roberto Ciulli inszeniert fast ohne Wechsel und Pause, gerade noch im Schlafzimmer versammelt sich die Bürgerwehr im Headquarter, Kleinmanns Bett wird zerlegt und installativ als Requisite verwendet, während der wie ein Schlafwandler durch die Szenen taumelt. Er jedenfalls hat keinen Plan, ist müde, überarbeitet, aber er will natürlich nicht ausgeschlossen sein.
Es folgen die kurzen Szenen in denen Kleinmann seine Position in der Masse finden will, schließlich seien das ja „die klügsten Köpfe in der Stadt“. Diese Kapuzen-Machos? Man muss schon der dauerverängstigte Woody Allen sein („Ich höre Schritte hinter mir, seit ich acht Jahre alt bin“), um so zu denken. Kleinmann trifft die Prostituierte Gina, Kleinmann und der sterbende Arzt, Kleinmann gerät in Verdacht. Ciulli erhöht Tempo und Groteske. Überall werden Tote gefunden, der Gesuchte, jetzt Serienmörder scheint immer ganz nah, doch unnahbar. Die langen Schatten erinnern an Fritz Lang, wie auch die Kostüme der lasziven verkoksten Frau in Blau (Simone Thoma), die „Blue Velvet“ intoniert, während der Mob den Galgen baut – für Kleinmann. Auftritt von Ciulli als Mini-Adolf Spiro, der Rasputin-gleich das Urteil verkündet. Doch Kleinmann wird gerettet, der Mörder kommt davon. „Gott ist eben unser einziger Feind.“ Genau. Sehr schöne Inszenierung.
„Tod“ | R: Roberto Ciulli | Fr 13.10. 19.30 Uhr | Theater an der Ruhr, Mülheim | www.theater-an-der-ruhr.de
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