Carl Grossberg ist zu früh gestorben. Es wäre spannend gewesen zu sehen, welche Richtung seine strenge, geometrisch organisierte Malerei genommen hätte und ob sich schließlich seine Ansichten von Gebäuden, seine Maschinen oder doch die surreal arrangierten „Traumbilder“ durchgesetzt hätten. In den zwei Jahrzehnten seines Schaffens lief alles nebeneinander.
Es ist lange her, dass das Werk von Grossberg so umfassend zu sehen war wie jetzt im Von der Heydt-Museum und anschließend im Würzburger Museum im Kulturspeicher. In Wuppertal-Elberfeld wurde er 1894 geboren, in Sonnhausen bei Würzburg hat er ab 1921 gelebt. Beide Orte kehren in seinen Bildern wieder, die Großstadt im Bergischen Land mit der Schwebebahn und den industriellen Produktionsorten, die kleinen Ortschaften um Würzburg als verschobene einheitliche Flächen aus der Vogelperspektive. Sie sind noch vom Studium der Malerei am Bauhaus in Weimar geprägt, das sich an seine Ausbildung als Architekt angeschlossen hat. Wichtig sind aber auch die Kriegserfahrungen. Im Ersten Weltkrieg wurde Grossberg in Frankreich im Schützengraben verschüttet und infolgedessen traumatisiert. Im Zweiten Weltkrieg nahm er sich, in einen Verkehrsunfall verwickelt, 1940 das Leben. Und dann ist er eben in Zeiten des industriellen Fortschritts aufgewachsen, der das Stadtbild prägte, monströs wirkte und einen geometrischen, sachlich-kühlen Look trug.
Grossberg reduziert und ordnet auf der Fläche. Er verzichtet auf Menschen und verleiht den Darstellungen einen sezierenden Klang. Dazu malt er mit feinem Strich altmeisterlich. In der Ausstellung zeigen die Zeichnungen und Skizzenblöcke, wie energisch er sich im Sehen die Maschinen aneignet und sie geradezu belebt, fast wie bei seinen Bildern, die mit Spielzeugfiguren wie in einer Puppenstube wirken.
Magischer Realismus, Neue Sachlichkeit: Das sind die Kunstströmungen der 1920er Jahre, die Carl Grossberg mitgeprägt hat, neben Künstlern wie Franz Radziwill, Kanoldt, Laserstein oder Schad. Auch sie sind im Von der Heydt-Museum in einem schönen Prolog vertreten. Ihre Bilder betonen noch den Beitrag und die Einzigartigkeit von Grossbergs Malkunst.
Carl Grossberg | bis 30.8. | Von der Heydt-Museum, Wuppertal | 0202 563 62 31
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