Die Würfel des Lebens © Diana Küster
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Das wirklich wahre Leben

01. Juni 2013

„Kurze Interviews mit fiesen Männern“ in Bochum – Theater Ruhr 06/13

Der Satz klingt wie ein Statement: „Einen Scheiß weißt du“. Genau. Doch „Kurze Interviews mit fiesen Männern“ sollen die Wissenslücken füllen. US-Autor David Foster Wallace hat dafür ganz große Bögen geschlagen. Dass Männer nur das eine wollen und Frauen dieses Eine auch ziemlich wissenschaftlich betreiben können, wissen wir Alteuropäer seit der Antike. Ach, eigentlich wussten wir es auch schon vorher. Trotzdem gut, dass es uns noch einmal in vier fetten Monologen ans Herz und ins Hirn gelegt wird. Unter den fiesen Männern ist interessanterweise auch eine Frau (Therese Dörr), die sich mit einem ungewöhnlichen Oralsex-Monolog die scheuernde Mechanik der Befriedigung und den Frust der Beziehung von der Seele redet. Nicht schlecht der Text, aber nun ja. Dann schon lieber Dimtrij Schaads Tirade über die grenzenlosen Möglichkeiten, trotz missgebildetem Arm, aber mit schön definierter Mitleidstour „Muschis satt“ ins Bett zu kriegen.

Für Monika Gies sind die kurzen Auszüge aus dem „Wallace-Storybook“ die erste Regie-Arbeit am Schauspielhaus Bochum. Im „heiligen“ Theater Unten werden faltbare Kunststoffwürfel zu Behausungen, zur durchscheinenden Oberfläche des postindustriellen Lebensstils geklappt. Da wird gesungen, gelacht und ernst geblickt. Besonders dann, wenn der Lebensstil des Klomannes im Nobelhotel zur Sinn stiftenden Beschäftigung fürs ganze Leben reichen soll (Henrik Schubert). Oder behauptet wird, die Philosophie diene nur dazu, das Verhalten von Tätern zu erklären und den Opfern als Erkenntnisgewinn zu dienen.

Für diesen Monolog müssen sich alle von den Sitzen erheben und die Bühne bevölkern. Mitmachtheater oder Perspektivenwechsel – dem Monolog von Marco Massafra kommt das augenscheinlich nicht zugute, denn da hatte das Publikum schon drei hinter sich. Und wenn dann auch noch „What a wonderful world“ auf der Ukulele erklingt, bleibt von Viktor Frankls „Logo“-Therapie kaum noch etwas übrig.

Monika Gies hat dennoch gezeigt, dass sie auch mit mittelmäßigen Monologen umgehen kann. Ergänzt um schöne Bilder (Bühne: Mara Henni Klimek) produziert sie ausgefallene Choreografien und bringt selbst das Publikum in Bewegung.

„Kurze Interviews mit fiesen Männern“ Di 18.6., 19:30 Uhr Theater Unten, Bochum, Infos: 0234-33 33 55 55

PETER ORTMANN

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