Karg ist die Einsamkeit, einfach die Bühne. Zwei Menschen stehen sich dort gegenüber, bombardieren sich mit Gefühlen, Sehnsüchten, Traumata. Es ist kein zärtlicher Brandsatz, mit dem sie sich bewerfen. Im Bochumer Prinz Regent Theater wird Philip Ridleys „Tender Napalm“ von Frank Weiß inszeniert, knapp sechs Jahre nach der Uraufführung in London. Corinna Pohlmann und Ronnie Miersch spielen das gebrannte Pärchen, dessen Sprache zwischen Rohheit, Pornografie und Militanz nur so schüttet. Schon zu Beginn möchte er ihr eine Patrone zwischen ihr feuchten Lippen schieben, eine Granate zwischen die Beine. So reiten sie auf dem Rücken eines Leviathans ins Land der Träume, das sie bis zum Ende nur selten verlassen, das Publikum hat Schwierigkeiten Phantasie und Realität zu durchschauen.
Irgendwo scheint ein Tsunami das Land überspült zu haben, eine militante Affenarmee sucht die Königin der Nacht. Zwischen Elementen des britischen In-Yer-Face-Theaters und modernem Drama war die Regie sicher nicht einfach, die sich fast ausschließlich auf die Personenführung beschränken musste. Aber die beiden Protagonisten haben die teils brutalen Texte assimiliert und – irgendwie auch schutzlos – auf der Bühne transportiert.
Über lange Zeit ist es ein Assoziationsdauerfeuer, die Zuschauer verlieren nie ihre Aufmerksamkeit durch immer wieder neue Bilder im Kopf, und das Konstrukt „Beziehung“ wird hier auf eine ganz neue Ebene gehoben, jenseits erotischer Spannung, jenseits von sexuellen Rollenspielen über Macht und Verlust. Hier hat die Trauer so tiefe Narben geschlagen, dass Kontinente sich damit lösen ließen. Die Ursache löst sich erst in den letzten Minuten, wenn kaum einer noch daran glaubt, und die letzte Granate im Hintern des Mannes explodiert ist, doch das ist der dramatische Kniff mit dem Philip Ridley sein Stück in der Waage hält. Wer tatsächlich jetzt noch wissen will, warum auch Aliens hier noch eine Rolle spielen, dem sei der Abend im Prinz Regent wärmstens empfohlen.
„Tender Napalm“ | R: Frank Weiß | Sa 1.4., So 2.4. 19.30 Uhr | Prinzregentheater | 0234 77 11 77
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