Einen „Freischütz“ mit Wald, Wildsau und Waidmannsheil wird es in Bonn nicht geben: Dafür steht Volker Lösch ein. Wenn er Regie führt, packt er in seinem Konzept aktuelle politische Themen und gesellschaftliche Probleme an. Das kann ganz wunderbar und berührend klappen – so zum Beispiel vor gut zehn Jahren in Weimar in Giuseppe Verdis „I Masnadieri“ nach Friedrich Schillers „Die Räuber“ im Comic-Stil.
Das Theater Bonn ehrt Carl Maria von Weber zu seinem 200. Todestag – er starb in London in der Nacht vom 4. auf den 5. Juni 1826 – mit einer Neuproduktion, die den Mythos um die deutsche „Nationaloper“ gründlich durchschütteln dürfte. Der Untertitel „Alptraum für Deutschland“ kündigt eine Auseinandersetzung mit der Romantik von Webers Oper an, die darin den Weg zu einer politischen Katastrophe entdeckt.
Auf der Bonner Bühne geht der Plan des Bösen in einer von Angst besetzten Gesellschaft auf: Samiel will die parlamentarische Demokratie abschaffen und die Herrschaft übernehmen. Die „finsteren Mächte“, die bei Weber und seinem Librettisten Friedrich Kind die Menschen mit scheinbar rettenden, tatsächlich aber verderblichen Abkommen umgarnen, treten aus dem gespenstischen Dunkel der Wolfsschlucht heraus in die Abgründe der Politik. Wie Lösch seine aktuelle Bearbeitung konzipiert, ist bis zur Premiere ein Geheimnis; dass er mit seiner Lösung Diskussionen hervorrufen wird, darf als sicher gelten. Das hat er mit über 100 Inszenierungen an vielen großen Bühnen vorexerziert – in Bonn mit Beethovens „Fidelio“ und der hochpolitischen Parabel „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill.
Die musikalische Seite verantwortet der Dirigent Lothar Koenigs, der den „Freischütz“ bereits an der Bayerischen Staatsoper in München dirigiert hat. Er hat nach seinem ersten Engagement in Osnabrück von New York und Wien über Mailand und Dresden bis London und Paris reiche Opernerfahrung gesammelt – ob mit Berg und Beethoven oder Strauss und Wagner. In den Hauptrollen sind Kai Kluge (Max), Alyona Rostovskaya (Agathe), Katerina von Bennigsen (Ännchen) und Tobias Schabel (Kaspar) zu sehen.
Der Freischütz – Alptraum für Deutschland | 3. (P), 9., 22.5., 4., 7., 21., 24.6., 4.7. | Oper Bonn | 0228 77 8008
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