trailer: Herr Stampa, Dortmund und Kultur, passt das eigentlich zusammen?
Benedikt Stampa: Man unterschätzt Dortmund oft. Die Stadt ist gut 1.100 Jahre alt. Hier existierte schon sehr früh ein bürgerliches Kulturleben, das dann aber durch Kohle und Stahl überdeckt wurde.
Im Vergleich zu anderen Städten sieht Dortmund oft eher blass aus.
Eine höfische Tradition, die im Bereich Oper und Schauspiel Sehenswertes hervorbrachte, hat Dortmund natürlich nicht. In solchen Städten ist alte Kultur in breiten Bevölkerungsschichten selbstverständlich. Dortmund gehörte aber 100 Jahre zu den reichsten Regionen Europas. Hier stellt sich die Frage nach dem Kulturbegriff. Wenn nur alte Kultur veritable Kultur ist, kann Dortmund nicht so viel bieten. Aber diese Frage stelle ich mir hier gar nicht mehr.
Fühlen Sie sich denn wohl hier?

Selbstverständlich. Dortmund ist eine spannende Stadt. Das Ruhrgebiet insgesamt ist klasse. Ich bin geboren und aufgewachsen in Westfalen, habe lange in Hamburg gelebt und bin seit sieben Jahren wieder im Ruhrgebiet. Die Menschen, die ich hier vorfinde, sind von meinem Schlag, und ich mache das gern hier.
Die Brückstraße, an der Ihr Konzerthaus steht, ist ja nicht gerade ein Villenvorort. Ist das ein Nachteil?
Für uns ist unsere Adresse ein Standortvorteil. Es gibt viele Konzerthäuser, die auf der sogenannten grünen Wiese oder auf einem grünen Hügel gebaut wurden. Wir sind eines der wenigen Konzerthäuser, die direkt im Zentrum einer Stadt stehen. Viele Musiker finden es fantastisch, wenn sie nach ihrem Konzert noch geöffnete Restaurants finden. Auch die Besucher profitieren davon. Natürlich ist das Brückstraßen-Viertel nicht gerade ein Repräsentationsviertel. Aber diese Spannung, die dadurch entsteht, finde ich gut.
Eigentlich müssten Sie ständig „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ spielen …
Wenn Klassische Musik überhaupt noch eine Bedeutung für den Menschen hat, dann doch, wenn es funktioniert, Mahler, Schostakowitsch oder Schönberg in solch einem Viertel zu spielen. Es ist sehr gut, das hier immer wieder ausprobieren zu können und zu sehen: Klassische Musik hat heute definitiv eine Bedeutung. Der Gegenentwurf wäre ein Kulturreservat.
Dortmund hat ein Haus, Bochum noch immer obdachlose Symphoniker. Ist das nicht ein bisschen blöde organisiert?
Auch München behauptet, dass es dort ein obdachloses Orchester gibt. Auch in Hamburg wird erst jetzt die Elbphilharmonie gebaut. Ich kann nur für Dortmund sprechen. Diese Stadt hat mit ihrem Konzerthaus etwas Besonderes geschaffen.
Gibt es eher Kooperation oder Konkurrenz zwischen den Städten hier?
Natürlich gibt es gute Kooperationen mit Essen und auch mit Köln auf hohem Niveau. Aber es gibt auch Konkurrenz.
Oft wird kritisiert, dass jede Stadt im Ruhrgebiet das gesamte kulturelle Angebot abdecken will und dadurch viel Geld verschlungen wird. Sehen Sie das auch so?
Das ist die spezifische Situation im Ruhrgebiet, die wir ja nicht einfach wegdiskutieren können. Es gibt die 53 Städte hier, die alle ihre Geschichte und ihre Eigenheiten haben. Die spannende Frage lautet: Wird es gelingen, aus diesem Konglomerat von Städten eine Metropole zu schaffen? Dieses Experiment kann nirgendwo anders auf der Welt gelingen. Für 5,3 Millionen Menschen ist mit zwei großen Konzerthäusern in Dortmund und in Essen das Angebot nicht zu groß. Berlin hat zwei Konzerthäuser, Wien hat zwei Konzerthäuser, München wird demnächst zwei haben.
Und Bochum bekommt jetzt auch noch eins.
Dieses Haus wird eher für das lokale Musikleben gebaut. An die Häuser in Dortmund und Essen werden andere Erwartungen gestellt.
Sie bieten mit Ihrem Programm ja nicht gerade die Klassische Klassik an, sondern eher Crossover.
Dieser Begriff ist absolut unpassend. Wir bieten neben Klassik auch Jazz, Weltmusik, Pop, Kabarett und Chanson. Aber wir mischen die Genres nicht. Der Austausch zwischen den Genres kann natürlich befruchten. Im April gastiert bei uns Anoushka Shankar, die Tochter von Ravi Shankar. Sie wird im Rahmen eines viertägigen Festivals mit vielen Musikern die große Welt der Indischen Musik in Dortmund präsentieren. Solch ein Festival ist wichtig für einen urbanen Konzertsaal. Häuser in London und Paris bilden diese Art Klassische Musik seit Jahrzehnten ab.
Was können wir von den Indern lernen?
Ihre Musiktradition basiert nicht auf niedergeschriebenen Noten. Interessant ist, dass der indische Raga mit dem spanischen Flamenco verwandt ist. Wenn man das Publikum hier entsprechend vorbereitet, ist es bereit, sich dieser komplexen Musik zu stellen. Und der Raga ist in seiner Komplexität unserer Klassischen Musik durchaus mindestens ebenbürtig. Die Kunst liegt darin, für verschiedene Genres offen zu sein und in dieser Offenheit die Qualität zu entdecken. Das ist quasi mein Job.
Das gelingt auch?
Das Echo unserer Arbeit beim Publikum und in der Presse, bei den Sponsoren und den Verantwortlichen bei der Stadt Dortmund beweisen dies.
Sie haben Ihren Vertrag gerade bis 2018 verlängert. Was haben Sie mit Dortmund noch vor?
Wir werden weiter renommierte Künstler hier ans Haus binden. Außerdem werden wir im Bereich der jungen Künstler die besten aussuchen. Dortmund gilt inzwischen als Plattform für musikalische Karrieren.
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