Armen Hakobyan
Foto (Ausschnitt): Johan Sandberg

Tanz der Randfiguren

30. Oktober 2025

„Der Glöckner von Notre-Dame“ in Essen – Tanz an der Ruhr 11/25

Knapp drei Jahre vor dem Erscheinen von Victor Hugos „Der Glöckner von Notre-Dame“ verordnete ein Polizeipräfekt allen Pariser Lumpensammlern das Tragen von ovalen Kupferplatten. Wer ohne sie durch die Straßen streifte, um alte Stoffe einzusammeln, galt als Vagabund, als Unwillkommener. Das Dekret knüpfte an vorhergehende Verschärfungen an, gerichtet gegen Landstreicher, Lumpensammler, Gauner, Bettler oder Prostituierte. Offenbar schwebten Hugo beim Schreiben seines Romans die sozialen Verwerfungen seiner Zeit vor – schließlich widmet er sich darin sozialen Randfiguren, wenn auch denen im spätmittelalterlichen Paris um 1482.

Mit zwei dieser Außenseiter befasst sich Armen Hakobyan, Co-Intendant des Essener Aalto Balletts, in seiner gleichnamigen Ballett-Adaption in zwei Akten mit Uraufführung am 15. November: Da ist der titelgebende, seit seiner Geburt entstellte Quasimodo, der mit Erlaubnis des Geistlichen Claude Frollo in der berühmten Kathedrale lebt und die Glocken läutet. Und da ist Esmeralda, Tochter einer Sexarbeiterin, die unter Sinti und Roma aufwächst und den Antiziganismus ihrer Zeit erfährt.

Vom Turm aus erblickt Quasimodo Esmeralda und verliebt sich in sie. Dumm nur, dass sein Ziehvater Frollo auch ein Auge auf die junge Tänzerin geworfen hat. Die aber liebt den Soldaten Phoebus, den daraufhin Frollo aus Eifersucht absticht. Die Ordnungshüter beschuldigen Esmeralda des Mordes – so entspinnt sich eine Geschichte mit einigen Nebensträngen und Wendungen, Intrigen, einem Hexenprozess und einem Sturm von Armen auf Notre-Dame.

Die Geschichte der zwei Außenseiter nutzt Hakobyan für sein Handlungsballett um Schönheit und Hässlichkeit, Liebe und Eifersucht, Einsamkeit und Begierden. Der unter anderem in Armenien und Bulgarien ausgebildete Ballettmeister setzt auf eine Mischung aus einer klassisch geprägten Tanzsprache und zeitgenössisch-abstrakten Elementen, um das Seelenleben seiner Figuren auszudrücken. Neben spätromantischen Kompositionen von Rachmaninow und Korngold begleiten Musikstücke von Schostakowitsch und Franz Schreker seine Choreografie.

Der Glöckner von Notre-Dame | 15. (P), 23.11., 5., 7.12., 10., 18., 29., 31.1., 6., 18.2., 5.3. | Aalto Theater Essen | 0201 812 22 00

Benjamin Trilling

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