„Jupp – Ein Maulwurf auf dem Weg nach oben“
Foto: Diana Küster

Der Maulwurf aus Bottrop

30. November 2017

„Jupp – Ein Maulwurf auf dem Weg nach oben“ in Essen – Theater Ruhr 12/17

Wenn eine Waschbären-Band Gas gibt, wenn die „Alten Hasen“ tatsächlich alt sind, wenn der Maulwurf zum Star werden will und der Marder die Kabel zum Brennen beißt – genau, dann ist bald Adventszeit und die Theater an der Ruhr rüsten sich für kreischende Kindermassen bei LehrerInnenauflauf. Ein lukrativer Beifang sicher, aber auch immens viel Arbeit, wenn man sich Mühe gibt. In Essen ist das so. Hier inszeniert Intendant Christian Tombeil schließlich selbst. Schon mit „Anton – Das Mäusemusical“ von Gertrud Pigor hatte man zu Recht den goldenen Engel vom Baum geschossen, jetzt lieferte die Gute die nächste Auftragsarbeit ab: „Jupp – Ein Maulwurf auf dem Weg nach oben“. Viel mehr Lokalkolorit, viel Aufklärung über Friedrich Grillo und seinen Essener Theaterbau und auch noch einen angedeuteten „Froschkönig“ implementiert. Was kann das toppen?

Die Bühne ein Perspektive-Gigant wie beim Mäusemusical. Eine rostige Rutsche, ein mächtiger Wasserhahn, alles für den „Tierischen Theatertrubel“. Im Keller leben die Theatertiere seit dem Rohbau. Grillo selbst soll diesen Geheimraum veranlasst haben. Sie reflektieren dort das Geschehen auf der Bühne über ihnen, sie achten auch unbemerkt auf Technik und Bühnenbild. Sie sind Profis, die in der Pause Möhrchen knabbern oder am saftigen Elektrokabel. Die Begriffe kennt der Insider natürlich und die Melodie zu „Glückauf, der Maulwurf kommt…“ sowieso. Nun, die 6-Jährigen im Publikum vielleicht nicht, vielleicht auch nicht den Begriff Inspizient oder den Witz hinter „Rudi Ratlos“ als Regisseur. Die Erwachsenen amüsieren sich köstlich, Reclamhefte in Übergröße und ein Lift auf die Bühne sind ja auch grandios, und Maulwurfs Klage: „Er hat mich Ratte genannt“, ist zum Wegschreien.

Tombeil inszeniert das wieder atemlos und musikalisch, alle Schauspieler geben alles, Licht, Bühne, Kostüme alles top. Choreografie gekonnt, der Klatschmarsch der Kinder ist ihnen gewiss und auch das Chaos während der Pause. Ich sach nur: „Nein Mama, ich muss nicht!“ Und ob die dabei nach dem Schlussakkord wirklich etwas gelernt haben über den Essener Theaterbetrieb ist zweitrangig. Auf geht’s: Analoge Konfettibombe!

„Jupp – Ein Maulwurf auf dem Weg nach oben“ | R: Christian Tombeil | bis Ende Januar | Grillo Theater Essen | www.schauspiel-essen.de

PETER ORTMANN

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