Wenn eine Band mit einem Song über Depression ihr Konzert abschließt, ist normalerweise kein Stimmunghoch zu erwarten. Es sei denn, Ben Galliers samt Band steht auf der Bühne – wie am 4. November in der Bochumer Synagoge, einer der zahlreichen Stationen der Salonkonzerte.
Traurig trötet die Klarinette, ein Gitarrenton stolpert müde auf den nächsten und aus Ben Galliers singt die Resignation: „Doldrum … Doldrum“. Doch als hätte der Song aus der Depression Kraft geschöpft, mausert sich das Stück zu einer wuchtigen Rocknummer: aus Trauer wird am Schlagzeug Wut, die E-Gitarrenklänge zittern vor Erregung – was für eine Bandbreite an Empfindungen.
Und das wohlgemerkt nur in einem einzigen Song: Auf ihrem Album „Calm Seas don't Make Good Sailors“, mit dem sie den Abend bestritten, finden sich komische Musikmomente genau so wie ergreifende. Und immer schaffen es die Wahlhamburger, Bilder vor das innere Auge des Zuhörers zu zaubern, auch wenn Sänger Ben grad schweigt, und den Instrumentalisten das Feld überlässt: Der in der kuschligen Popnummer besungene „Slow Motion Man“ wird lebendig und stapft langsam, ganz langsam durch den Konzertraum, wenn Felix Hoffmann zur Klarinette greift.

Frontmann Galliers kommt ursprünglich aus Großbritannien. Sein Abitur hat er jedoch in Bochum gemacht und hat sogar früher für Rot-Weiß-Essen gespielt. Für den Gig kehrte er nun zurück ins Revier. Das Salonkonzerte-Motto „Musik zu Gast“ gefällt dem Sänger: „Wir haben noch nie in einer Synagoge gespielt“, sagt er. Das sei zwar ungewöhnlich, aber spannend: „Das ist ja gerade das Schöne an diesem Festival“, findet er. Hier im Ruhrgebiet fanden die fünf Bandmitglieder auch zueinander und zogen gemeinsam nach Hamburg. Dieses Jahr erschien nun ihr Album.
Beim Konzert in der Synagoge ließen die fünf ihre Zuschauer an der Bandgeschichte teilhaben und spielten eines ihrer ersten gemeinsamen Lieder, „Dice with the Devil“: Das handelt von einem Kerl, der sich auf einen Deal mit dem Teufel einlässt, um ein zweites Leben zu bekommen, „weil er, nunja, ein bisschen verschissen hat“, wie Ben Galliers grinsend und mit breitem britischen Akzent erklärt. Wie solche Geschichten ausgehen, ist bekannt: Das arme Menschenkind hat das Nachsehen, der Beelzebub freut sich – und tanzt an diesem Abend Swing zum Bass der Band, und zum Abschluss eines großartigen Konzerts.

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