„Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs“
Foto: Birgit Hupfeld

Die böse Apple-Story

20. Dezember 2012

„Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs“ am Theater Dortmund – Theater Ruhr 01/13

Wer kennt sie nicht, die Apple-Produkte? Selbst wenn wir noch keines besessen haben, erkennen wir das Logo sofort. Die Firma ist berühmt, und das liegt auch an Steve Jobs, ihrem Begründer, der von den Apple-Anhängern zum „iGod“ stilisiert wird.
Der amerikanische Autor Mike Daisey ist einer dieser Fans, die Apple zur Religion erklären. Bis er eines Tages auf die Idee kommt, Fragen zu stellen: Wie produziert Apple? Wer arbeitet dort unter welchen Bedingungen? Seine Nachforschungen offenbaren eine andere Apple-Welt: Per Hand wird jedes noch so kleine Teil in der chinesischen Fabrik hergestellt, gesprochen werden darf nicht. Als sich vermehrt Mitarbeiter umbringen, spannt die Firma Fangnetze unter den Fenstern. Das alles klingt natürlich erschreckend – doch ist es wirklich neu?

Für Menschen, die nicht im Jobs-Universum gefangen sind, sondern die Regeln des kapitalistischen Marktes in einer globalisierten Welt kennen, ist es keine allzu große Überraschung. Immer wieder werden Unternehmen entlarvt, unter inhumanen Bedingungen zu produzieren. Das Theater Dortmund greift so mit der Produktion ein höchst aktuelles Thema auf; leider geht dies aber im Laufe des Abends unter. Zu sehr geht es um die Erfolgsgeschichte des Konzerns, um die Figur des Steve Jobs und um die Faszination der Geräte. Für einen Nicht-Apple-Fan ist all dies nur schwer nachvollziehbar, auch wenn der Aufbau der Bühne versucht, die Zuschauenden einzubinden. Es gibt keine Trennung von Bühne und Zuschauerraum, der Schauspieler (Andreas Beck) bewegt sich zwischen den zu Grüppchen zusammengestellten Stühlen hindurch, spricht Leute direkt an, stellt Fragen. Dies führt zwar dazu, dass der ein oder andere versucht, seinen Blicken auszuweichen – allerdings wohl mehr, um der unangenehmen Situation zu entgehen, womöglich vor allen etwas sagen zu müssen, als sich tatsächlich Gedanken über den Kauf des letzten Apple-Produktes zu machen. Zum Schluss hält Beck eine Moralpredigt, es werden noch am Ausgang Flugblätter verteilt: „Veränderung ist möglich“. Das alles ist ehrlich und zeigt, wie ernst man es in Dortmund meint. Allerdings wirkt der Aufruf dann doch zu aufgesetzt, als dass man ihn tatsächlich auch ernst nehmen könnte.

„Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs“ | Do 10./24.1. 20 Uhr | Theater Dortmund | 0231 502 72 22

ALEXANDRA BRUNDIERS

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