Hugo von Hofmannsthals von Symbolen, Metaphern und Rätseln überladene Sprache mag für die Zeit um den Ersten Weltkrieggeheimnisumwittertgewesen sein. Heute lassen singende Fische in der Bratpfanne einer Färbersfrau eher schmunzeln. Doch das Libretto zu Richard Strauss‘ „Die Frau ohne Schatten“ nicht ernst zu nehmen, auf ein Kunstmärchen zu reduzieren oder als krude Fruchtbarkeits- und Mutterschaftsgeschichte abzuwerten, wird diesem Hauptwerk des frühen 20. Jahrhunderts nicht gerecht.
Sicher wird Peter Konwitschny seine 80 Jahre Lebenserfahrung und sein in Jahrzehnten verfeinertes Regiehandwerk einbringen, um in seiner Inszenierung der wohl rätselvollsten, musikalisch opulentesten Strauss-Oper die Tiefenschichten aufzubrechen und ein aufklärendes Licht auf die Kunstsprache Hoffmannsthals zu richten. Mit bloßem Ästhetizismus oder einer Reduktion der komplexen Thematik auf Naheliegendes ist bei Konwitschny nicht zu rechnen. Mit „Die Frau ohne Schatten“ hat er sich – nach seinem gefeierten „Ring“ in Dortmund – nun eine weitere Herkules-Aufgabe des Musiktheaters vorgenommen.
Einem immensen Anspruch sehen sich auch Dirigent Dirk Kaftan und das Beethoven Orchester Bonn gegenüber. Strauss schöpft alle Mittel aus, die ihm bei der Uraufführung 1919 ein führendes Haus wie die Wiener Staatsoper zur Verfügung stellen konnte – bis hin zu exotischen Instrumenten wie einer Glasharmonika und chinesischen Gongs. Im Orchester geht es nicht nur um üppige Mischklänge und rauschhafte Eruptionen. Strauss verlangt ein subtiles Ausbalancieren der Klänge und Orchesterfarben, damit seine harmonische Raffinesse in Spannungen und Reibungen hörbar ist.
Außergewöhnlich fordernd sind die Partien der führenden Solisten: Anne-Fleur Werner wagt den Sprung ins große dramatische Fach als aus der Geisterwelt stammende Kaiserin. Die muss binnen dreier Tage einen Schatten erwerben, um ihren Mann vor der Versteinerung zu bewahren. Als Kaiser ist der irische Heldentenor Aaron Cawley zu hören, der u.a. am Staatstheater Wiesbaden in großen Wagner-Rollen auftrat. Mit der Partie der Amme krönt Ruxandra Donose ihren Übergang ins deutsche dramatische Fach. Die rumänische Mezzosopranistin hat zuvor in allen wichtigen Partien ihrer Stimmlage an internationalen Bühnen wie der Wiener Staatsoper Erfolge gefeiert.
Die Frau ohne Schatten | 16., 29.11., 19., 28.12., 4., 11., 16.1. | Theater Bonn | 0228 77 80 08
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