„Homo Empathicus“
Foto: Diana Küster

Die Neuronen spielen verrückt

23. Februar 2017

„Homo Empathicus“ im Bochumer Theater Unten – Theater Ruhr 03/17

Love is in the air, everywhere you look around. Ein alter 70er-Jahre-Song scheint Wirklichkeit geworden zu sein irgendwo in der Zukunft. Diese Gesellschaft ist so gruselharmonisch, da möchte man mit der Faust – aber das ist nicht mehr erlaubt. Das halten alle „für nicht angemessen“. Also ab in den Wohlfühlraum, sprich Terrarium mit Frischluftzufuhr. Denn in Rebekka Kricheldorfs Society-Fiction-Satire „Homo Empathicus“ hat sich zwar der Mensch entwickelt, die Lebensbedingungen scheinen dafür noch postatomar zu sein. Kein Wunder, dass im „Bunker“ nicht immer alles rund läuft und ab und an Argumentationshilfekraft „Schwesterbruder“ Osho zum Wegsprechen (Therapieren) benötigt wird. Sonst ist alles easy in der Gender-Neutralität, bis der, sorry das „Hygienemensch“ kommt und die (oder das) Spermareste wegwischen darf. So wird Harmonie aus dem Chaos geschaffen.



Schauspielschüler der Folkwang-Uni spielen diese eher böse Farce im Bochumer Theater Unten unter der Regie von Thomas Ladwig, die dennoch nicht widerlegen kann, dass der Mensch im Grunde seines Herzens böse ist, immer auf seinen Vorteil bedacht und sich nie zum Homo Empathicus entwickeln wird. Nun sind die bühnentechnischen Möglichleiten im kleinen Kult-Kellertheater begrenzt, dennoch wurde für die Bewegungsmechanik der elf Figuren eine zweite Rückwand eingebaut, durch die Türen, eine Leiter nach oben und eine runde Schleuse führt; ein Schapp dient als Kantine. Die junge Schar agiert vorzüglich, „viellängerlebende“ Bewohner scheint es nicht mehr zu brauchen und die latente Bunkerenge scheint eine neue Form des Zusammenlebens eben notwendig gemacht zu haben. Das macht sich selbst im Kostümbild (Anita Könning) und der Choreografie (Jelena Ivanovic) bemerkbar.

Bis ein besoffenes Pärchen aus der (guten, aber bösen, natürlich ganz bösen) alten Zeit über die Schleuse eindringt und die Achtsamkeit aller auf die Probe stellt. Es fühlt sich an, als seien Affen aus einem Versuchslabor ausgebrochen. Und die Gesellschaft handelt auch genauso. Rauchen, saufen, und das üble Rein-Raus-Spiel (huch, falsches Stück) will niemand. Oder doch?

„Homo Empathicus“ | R: Thomas Ladwig | Fr 10.3., So 12.3. 19 Uhr | Theater Unten, Bochum | www.schauspielhausbochum.de

PETER ORTMANN

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