Nun, als adlige Brüder hatte man es Mitte des 18. Jahrhunderts nicht leicht. Der alte Graf von Moor mit Schloss und Ländereien will keine Veränderung, sieht im ältesten Sohn den legitimen Erben – und fertig. Karl ist aber auch Freigeist, macht sich vom Acker und lebt das lockere Leben als Student in Leipzig erst mal aus, bevor ihn die Schulden wieder ans Elternhaus erinnern. Doch da hat Bruder Franz, eigentlich ohne Chance auf fettes Erbe, die bösen Fäden geschickt gezogen, um sich Schloss und Ländereien unter den Nagel reißen zu können. Das Drama nimmt seinen Lauf. Ausgedacht hat es sich der 17-jährige Friedrich Schiller. Mitten im Sturm und Drang sitzt er in der Karlsschule, eigentlich eine strenge Militärakademie, und leidet unter dem Studium der Rechtswissenschaft. Er beginnt über die Freiheit des Menschen, die eigene Selbstbestimmung und die Freiheit von Gesetzen nachzudenken – passend für einen angehenden Juristen. Die Freiheit von Gesetzen wissen seine späteren „Räuber“ gerne, aber eben fälschlicherweise zu verteidigen: „Gerechte Räuberbanden“ wie die von Matthias Klostermeyr in Bayern waren eher selten. Dennoch, Friedrich Schiller schreibt seine „Räuber“, die 1782 im Nationaltheater Mannheim uraufgeführt werden – umjubelt natürlich von der jüngeren Generation, traf das Stück doch den Zeitgeist.
Bis heute sind die Moors und die Kumpanen um Spiegelberg nicht von der Bühne vertrieben worden. Das Drama gilt noch immer als Freiheitskampf gegen die Tyrannei – vor allem in Frankreich, wo Schiller wegen des Stücks die französische Ehren- und Staatsbürgerschaft verliehen bekam. Aber auch als Schullektüre ist der Kampf des revolutionären Geists gegen die Bourgeoisie dauerpräsent. Lucia Bihler fragt in ihrer Inszenierung des Stoffes am Bochumer Schauspielhaus, ob wir uns in Zeiten von rechten Umsturzfantasien und der Neuformierung des Patriarchats fürchten müssen – oder vielleicht eher Schillers Räuberbande feiern sollten. Im Zentrum ihrer Version des Stücks steht anscheinend Amalie, die Geliebte des Karls, begehrt von Franz.
Die Räuber | 20. (P), 21., 25.6. | Schauspielhaus Bochum | 0234 33 33 55 55
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