„Fear:less“
Foto (Ausschnitt): Tino Wagner

Zäher Überlebenswille

01. Juni 2026

Silke Z über mögliche Fördermittel für Kölns Tanzszene – Tanz in NRW 06/26

Gestern noch stand Silke Z mit ihrem Ensemble auf der Bühne eines Tanzfestivals in Galizien, wo ihre Produktion „Fear:less“ vom spanischen Publikum begeistert gefeiert wurde. Heute sitzt sie wieder in ihrem Büro in den Kölner Ehrenfeldstudios, um das Tagesgeschäft zu erledigen. Sie reist nicht nur mit den eigenen Inszenierungen durch Europa, sondern bietet als Mitglied des Netzwerks Studio Trade auch Tanzschaffenden vom Baltikum bis nach Portugal die Möglichkeit, in Köln zu produzieren. Derzeit beschäftigt sie jedoch eine Initiative, die Kölns Tanzszene aus ihrer Jahrzehnte währenden Krise retten soll. In Berlin wurden der Stadt Bundesfördermittel in Höhe von knapp 20 Millionen Euro zugesagt. Damit ließen sich die Standorte der Tanzfaktur in Deutz, dem Zirkusareal Latibul in Riehl und den Ehrenfeldstudios zu leistungsfähigen Spielstätten ausbauen. Es würde dann nicht mehr um das viel diskutierte und immer wieder gescheiterte Projekt eines Tanzhauses gehen, sondern der für Köln charakteristischen dezentralen Struktur von Kunstorten in den Vierteln würde Ausdruck verliehen.

Die Stadt und das Land NRW müssen jedoch die anderen 50 Prozent der Kosten für Neubauten und Umbaumaßnahmen übernehmen. Drei Jahre bleiben noch Zeit, um diesen Deal zu stemmen. „Wir müssen laut sein“, sagt Silke Z und fügt hinzu: „Laut zu sein kostet Kraft“. Vor allem kostet es Kraft, die Ratsfraktionen davon zu überzeugen, dass die auf dem Silbertablett gelieferte Förderung der freien Szene die Möglichkeit eröffnet, aus ihrem provisorischen Betrieb herauszufinden. Verdient hätte sie es. Denn die Szene setzt sich aus Kunstschaffenden zusammen, die mit zähem Überlebenswillen seit vielen Jahren kontinuierlich produzieren. „Kunst ist kulturelle Bildung“ erklärt Silke Z beharrlich, um darauf zu verweisen, dass konkrete Bildungsarbeit mit Workshops und Produktionsreihen für Jugendliche, Senioren und Menschen mit Parkinson-Erkrankung geleistet wird. Dass die Ehrenfeldstudios ein Ort sind, an dem gesellschaftliches Leben reflektiert wird, beweisen aktuell Hanna Held und Andrea Kößler mit ihrer feministischen Performance „Food Porn“, in der Nahrung als Medium der Selbstdarstellung behandelt wird.

Food Porn | 3. (P), 4.7. je 20 Uhr | Ehrenfeldstudios | 0221 84 63 95 80

Thomas Linden

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