Grün von Schwanz bis Fuß - Chamäleon Balduin
Foto: Presse

Ein Chamäleon fällt aus der Rolle

01. Oktober 2009

Logopädin, Clownin und jetzt auch noch Kinderbuch-Autorin: Fritzi Bender hat ein Herz für Aussenseiter - Literatur-Portrait 10/09

Balduin ist grün. Immer. Dabei könnte er mühelos nach Lust und Laune seine Farbe ändern. Denn Balduin ist ein Chamäleon – und der tierische Held im Bilderbuch der Bochumerin Fritzi Bender. Balduin ist gerne grün – und er versteht gar nicht, warum ständig alle Leute ihn dazu drängen, eine andere Farbe anzunehmen. Die Begründung „Weil man das als Chamäleon eben so macht“ genügt ihm nicht. Er beschließt, erst wieder seine Farbe zu verändern, wenn er weiß, wieso. Eltern, deren Kleinkind gerade in der Phase der Warum-Fragen steckt, wissen: Die Antwort „Weil das so ist“ genügt dem Nachwuchs nicht. Und ganz schnell ertappt man sich dabei, wie man sich als angeblich so schlauer Erwachsener in einer ganzen Kette von Warum-Fragen verheddert und mit seiner Logik schnell am Ende ist.

Komisches Chamäleon

So wandelfähig wie ein Chamäleon ist auch Fritzi Bender selbst. Die gelernte Logopädin, Heilpraktikerin, ausgebildete Theaterpädagogin, Clownin und Komikerin hat mit „Balduin bleibt grün“ im Frühjahr ihr erstes Kinderbuch veröffentlicht und gleich Geschmack daran gefunden. Ein neues Buch ist schon in Arbeit. Während sich „Balduin“ an Kindergartenkinder ab drei Jahren richtet, soll das nächste Buch ältere Kinder ab sechs Jahren ansprechen.
Die Idee zu „Balduin“ war für Friederike „Fritzi“ Bender keine wirklich neue: In den sieben Jahren, die sie als Logopädin vor allem mit Kindern gearbeitet hat, haben sich reichlich Themen für Geschichten entwickelt. „Ich schreibe eigentlich schon immer. Auch Tagebuch, ganz klassisch und langweilig.“ In ihren Geschichten schreibt sie über Charaktere, die gegen den Strom schwimmen und dadurch anecken, die dann aber die Probleme meistern – im Idealfall durch Annäherung auf beiden Seiten. Der Mut, etwas an einen Verlag zu schicken, hat ihr lange gefehlt: „Man trennt sich ja auch irgendwie von der Geschichte. Und im Kinderbuchbereich gibt es einige besonders strenge Regeln, die ich vorher nicht kannte. Das Lektorat kann sehr unerbittlich sein, im schlimmsten Fall bleibt von einer Ursprungsgeschichte kaum mehr als die Grundidee. Ich bin dann im Internet über den Ivy-Verlag gestolpert und fand dessen Anspruch sehr lobenswert und meiner eigenen Arbeit entgegenkommend.“
Die Zeichnerin Charlotte Hofmann, die Balduin und seinen farbwechselnden Freunden in ihrer Baumhaus-Kita kongenial Gestalt verliehen hat, hat die Autorin bis zum heutigen Tag nicht persönlich kennen gelernt: „Ich konnte mir anhand von Arbeitsproben aus einer Handvoll Zeichnern diejenige aussuchen, deren Strich mir am ehesten gefiel.“ Die Zusammenarbeit lief über Telefonate und E-Mails. Dass Charlotte Hofmann eine gute Wahl war, bewies sie mit einem sehr scharfen Blick auf den Text: „Da gab es zum Beispiel eine Stelle, in der eine der Figuren „Menschenskinder“ sagte – was natürlich bei Chamäleons eher fehl am Platze war. Das war sogar dem Lektor nicht aufgefallen.“ Das Ergebnis hat Fritzi Bender umgehauen „Ich bin ja nicht so sehr ein visueller Mensch, denke eher in Geschichten und Abläufen als in Bildern. Als ich dann die Zeichnungen von Balduin und seinen Freunden sah, war ich überwältigt.“

Helden der Kindheit

Eigene Kinder hat die 37Jährige nicht – wohl aber zwei Nichten und seit letztem Jahr auch ein Patenkind. Die Erinnerung an ihre eigene Kinderbuchlektüre ist aber längst noch nicht verblasst: „Otfried Preußlers ‚Krabat’ ist eigentlich auch jetzt noch eines meiner Lieblingsbücher – über den Film habe ich mich total geärgert.“ Aber auch Kästners „Doppeltes Lottchen“ oder Lindgrens „Ronja Räubertochter“ begleiteten ihre Kindheit. Nach ihrem Lieblings-Bilderbuch befragt, schwärmt sie allerdings von Chris Riddels und Katheryne Caves „Irgendwie anders“: „Das ist total süß und rührend.“
„Irgendwie anders“ sind auch die Helden von Fritzi Benders Kindergeschichten. „Es sind die Figuren, die aus der Rolle fallen, die mich interessieren. Es sind doch meistens die Außenseiter, die die Welt bewegen, sich aber gleichzeitig auch schwerer tun mit der Welt.“
Ihren Ausbildungsberuf zur Logopädin hat Fritzi Bender lange hinter sich gelassen. „Das war oft frustrierend, nur an Symptomen zu arbeiten, für die wahren Problemhintergründe jedoch zu oberflächliche psychologische Kenntnisse zu haben und zum Beispiel nicht in die Familienarbeit einsteigen zu können, wenn man es für erforderlich hielt. Ich habe viel Energie in den Beruf gesteckt, mir aber irgendwann die Frage gestellt: Was fehlt mir denn noch?“

Beim Klinkclowncasting

Dass sie dann der Weg zur Clownerie führte, hält sie für durchaus schlüssig. „Der Clown kann Menschen berühren, man begegnet sich aber auch selbst, wenn man den Clown in sich entdeckt. Vor allem aber kann ich als Klinikclown ganz konkret in der Situation etwas bewegen. Bei einem Klinikclowncasting („Doch, das gibt es wirklich!“) hat Fritzi Bender auch ihre Bühnenpartnerin Suse kennengelernt. Mit ihr bestreitet sie nicht nur gemeinsame Comedy-Abende, sondern ist auch seit zweieinhalb Jahren als Klinikclown unterwegs. Alle zwei Wochen besuchen sie die Kinderstation eines Oberhausener Krankenhauses. Die Betreuung ist dabei sehr individuell „Natürlich kann es sein, dass wir ein Zimmer mit drei Kindern gleichzeitig in den Griff bekommen, doch allein wegen der Altersstruktur ist es in der Regel so, dass wir von Bett zu Bett gehen. Vor jeder Tür stellt sich die Frage: Treff ich auf Angst, Sorge oder Spaß? Finde ich das Spiel mit dem Kind?“ Derzeit laufen die Endproben für „Das Schweigen der Emma“, das neue Bühnenprogramm von Suse & Fritzi, das am 17. Oktober im Dortmunder Fletch Bizzel Premiere feiern wird. „Das Programm wird schon eine starke Konfrontation des Publikums mit Suse und mir“ verrät Fritzi Bender. Als erstes stand der Titel zum Programm. Daraus entwickeln sich nun bei den Proben skurrile Verzahnungen von Alltag und Psychothriller. Dass hierbei ihr Ehemann Hennes – in der Comedy-Szene eine „Größe“ – Regie führt, bereitet Fritzi Bender große Freude. Befürchtungen, dass sich die gemeinsame Arbeit negativ auf ihre Beziehung auswirken könnte, hat sie nicht – im Gegenteil. „Man verliebt sich ja schließlich in jemanden, der denselben Sinn für Humor hat, mit dem man sich ergänzt. Von daher ist es schön, nun auch mal auf dem Gebiet professionell zusammenzuarbeiten.“

FRANK SCHORNECK

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