Da ist das fiktive Laboratorium zwischenSoylent Green und Brave New World gleich nach der Apokalypse, posthuman, postlethal und doch irgendwie scheiße. Die Menschheit musste ja verschwinden, zugegeben, aber auch der unsterbliche Neomensch verliert im Jahre 4014 langsam seine biologische Halbwertzeit. Bereits 2005 veröffentlichte Michel Houellebecq seinen Roman „Die Möglichkeit einer Insel“, der jetzt in Dortmund in einer Mixtur aus animierten Bildern und live gespielten Szenen von Nils Voges mit seinem Künstlerkollektiv sputnic auf eine Bühnenleinwand geworfen wurde, als allererster Live-Trickfilm der Geschichte.
Vier Schauspieler in schwarzen Kutten dienen als Adepten, legen Glasscheiben auf die Tricktische, sprechen die Texte und bewegen die Szenerie aus beleuchteten Faller-Häusern und Schienenwerk für hochtechnisierte Eisenbahnroboter: Daniel24, dessen genetischer Code erhalten geblieben ist, weil er irgendwie irgendwann als einstiger Comedian einer pseudoreligiösen Weltraum-Sekte nahegekommen ist, steht gerade vor seiner Auflösung (Tod), muss seine Gedanken noch in den Computer (Große Schwester) speichern, damit sein nächster Klon ordentlich sein Gehirn rebooten kann. Wie gesagt, ein paar Probleme sind auch 4014 noch nicht gelöst und Houellebecq wäre nicht Houellebecq, wenn es dabei nicht auch mal wieder um Sex in allen Variationen ginge. Dennoch, nun ist es mal wieder vorbei, das Strahlenschutztor wird geöffnet, Daniel24 wird zum Sandmännchen in der sandigen Ödnis. Hallo Daniel25. Mist, der treue, natürlich auch geklonte Hund Fox stirbt unmittelbar. Nils Voges lässt für den groben Animationsfilm seine Protagonisten schwitzen, optisch erinnern sie leicht an Kraftwerk, ihre Choreografie meist an Charlie Chaplins „Moderne Zeiten“. Die Suche nach dem Glück fängt für Daniel25 nun an, Fox ist auch frisch geklont und sein Vorgänger hat ihm auch von Marie22 berichtet. Die hat ihr lebenserhaltendes Refugium bereits verlassen, für eine Vision von Lanzarote, einer Insel der Träume, der schlichten Möglichkeit von Glück. Sex ist ja o.k., aber es gibt leider keine Rückkehr.
„Die Möglichkeit einer Insel“ | R: Nils Voges, sputnic | So 10.5. 18 Uhr, Mi 20.5., Sa 30.5. 19.30 Uhr | Schauspielhaus Dortmund | 0231 502 72 22
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