Hurra, Romeo und Julia!
© Birgit Hupfeld

Tanzende Pixel und Shakespeare auf dem Turntable

15. September 2026

Favoriten Festival in Dortmund – Bühne 09/26

Wer schon immer wissen wollte was eine Hybrid Performance zwischen Tanz und Gaming ist, den lockt am 1. Oktober vielleicht nicht nur Post-Digital Choreographer Brig Huezo mit dem Abend „The Death At The Code!“, sondern bei den diesjährigen Favoriten auch die Festivaleröffnung und der Galaempfang in der Dortmunder Zeche Zollern. Lässig angereist mit kostenlosen Shuttlebussen aus Bochum oder Dortmund tauchen alle in eine interaktive Gaming-Landschaft ein, wo auf einer Bühne in einem Triptychon gleich die Grenzen des Physischen aufgelöst werden und die Performer:innen sich mit Pixeln verbinden. Zwei Tage später erobert das Festival den Friedensplatz. Diesmal nicht die Borussen, sondern Tanz, Akrobatik und Performance bestimmen die Aktionen im öffentlichen Raum beim Favoriten-Fest.

Ganze zehn Tage findet das weit über die Grenzen des Bundeslandes bekannte, renommierte Theater-, Tanz- und Performancefestival der Freien Szene Nordrhein-Westfalens statt. Dabei sind die biennalen Favoriten auch eines der ältesten Festivals der Freien Darstellenden Künste nicht nur in Deutschland. Interessierte Besucher:innen und internationale Fachleute sehen in diesem Jahr dreizehn interessante, außergewöhnliche Stücke von Theaterkollektiven und Künstler:innen aus ganz NRW, darunter mit „Hurra, Romeo und Julia! – Die Szene mit der Leiche, die habe ich gelöscht“ auch ein Shakespeare-Klassiker.

Den bringt „i can be your translator“, eine von wenigen freien, inklusiv gelabelten Gruppen, die mit Ensemblemitglieder:innen des Schauspiel Dortmund zusammenarbeiten, auf die Bühne des Theaters im Depot. Doch Shakespeares Dramentext dient lediglich als Inspiration: Noch während der Aufführungen sitzt Regisseurin Linda Fisahn am Regiepult und versucht die Akteur:innen, die im permanenten Galopp Szenenfolgen „doppeln und vertauschen“, auf dem dramatischen Pfad zu halten.

Nach dem wilden Ritt durchs Programm und vielleicht dem Neudenken im Disrupted Infrastructures-Symposium lädt der letzte Festivaltag bei der intimen Relaxed Performance „queering of age“ von  feige glanz & fervor zum queeren Sleepover ein. Zwischen Kissen und aufblasbaren 1970er Jahre Plastik-Sesseln inszenieren die Theatermacher:innen Cosmo Glanc, Mareike Fiege und Marina Fervenza autofiktionale Geschichten über Queerfeindlichkeit, das Ringen mit Herkunftsfamilien und lustvolles Begehren zwischen Westdeutschland und dem Süden Brasiliens. Vamos lá!

Favoriten Festival | 1. bis 11. 10. | Verschiedene Orte in Dortmund | favoriten-festival.de

Peter Ortmann

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