Verrückte Musical-Welt: Jetzt muss man schon in die Provinz fahren, um die deutsche Erstaufführung eines Broadway-Hits sehen zu können, die der vor acht Jahren aus einer Schul-AG hervorgegangene Verein Junges Musical Leverkusen mit einem Etat von nur 60.000 Euro auf die Beine gestellt hat. Über 30 Personen stehen bei jeder Vorstellung in der Festhalle Opladen auf der Bühne, fast 20 tummeln sich im Orchestergraben.
Elle Woods, blonde Modepuppe mit einem Hang zu Pink wird von ihrem Freund Warner (Marco Bono) verlassen, weil der meint, er könne nur Karriere mit einer „ernsthaften“ Frau an seiner Seite machen. Sie folgt ihm nach Harvard, um dort Jura zu studieren und ihn zurück zu erobern. Dabei wächst sie über sich heraus, landet im begehrten Praktikanten-Team von Professor Callahan und verliebt sich in dessen Assistenten Emmett (Nico Schué). Happyendlich emanzipiert sie sich von ihrem Ex-Freund und dem aufdringlich werdenden Callahan, findet in Warners neuer Flamme Vivienne (überzeugend: Vanessa Brettinger) eine Verbündete und in der Kosmetikerin Paulette (Nina Wolter) eine Freundin.
Nach der etwas bräsigen Ouvertüre kommt das von Musiklehrer Davis Mertin dirigierte Orchester von Song zu Song immer besser in Schwung. Auf der Bühne sind es dann vor allem die jungen Frauen, allen voran die charismatische Jeannine Engelen (Elle), die das Stück vorantreiben. Die Herren bleiben – bis auf Dirk Nautz (als Prof. Callahan) und den wirklich witzigen Postboten-Side-Kick (Martin Moll) – seltsam blass. Wobei nicht ganz klar wird, ob es ihnen an Talent oder einer straffen Schauspielführung mangelt. Freizeit-Regisseurin Nadine Söhnert hatte sich zwar Unterstützung bei der niederländischen Musical-Darstellerin Evelin Gorter (u.a. „Kein Pardon“) geholt – aber vieles, besonders im ersten Akt, wirkt noch unfertig. Das gleiche gilt für die Choreografien des zweiten Profis im Kreativ-Team, Ludwig Mond, die allzu sehr auf Aerobic-Stil setzt. Er nimmt so zwar die tänzerisch weniger Begabten mit, unterfordert aber die im Ensemble, denen man mehr abverlangen könnte. So stolpert man immer wieder über inszenatorische und choreografische „Versäumnisse“ wie das Nicht-in-Szene-Setzen der leuchtenden Turnschuh-Sohlen der Cheerleader-Truppe oder das Hineinzwängen von Paulette in ein dermaßen unvorteilhaftes Kostüm, das geradezu aufdringlich von ihrer großartigen Gesangsstimme ablenkt. Ähnlich daneben sind manche Gags des von Ruth Deny etwas uninspiriert übersetzten Librettos von Heather Hach („Was brauchst du: Beatmung beim Poppen? Äh, ach, du meinst: Beratung beim Shoppen!“). Von der gleichen Schlichtheit sind auch die deutschen Liedtexte von Kevin Schroeder und Heiko Wolgemuth geprägt, die das Musical „billiger“ erscheinen lassen, als es im Original ist.
Dass man trotzdem gut unterhalten aus dieser bühnentechnisch und Lichtdesign-mäßig abgespeckten (Laien-)Version geht, ist letztlich der von der Bühne und aus dem Orchestergraben strömenden Spielfreude zu verdanken.
„Natürlich blond“ | R: Nadine Söhnert | Sa 15.4., So 16.4. je 19.30 Uhr, So 17.4. 14 u. 18.30 Uhr | Festhalle Opladen | natürlich-blond.de
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