Mozart mochte bekannterweise keine Flöten. Die Klarinette aber, ein Instrument der Neuzeit in Mozarts Tagen, die gefiel ihm wirklich ausgezeichnet. So schuf er gar für Aufführungen barocker Meisterwerke wie den Oratorien Händels eigene Fassungen, in die er den warmen Ton der Klarinetten integrierte. Die Geschichte dieser Instrumente greift also nicht so weit zurück wie andere Orchesterinstrumente – entsprechend kleiner fällt das Repertoire aus. Dafür kümmern sich zeitgenössische Komponisten sehr gern um diesen vielfarbigen Ableger der Familie der Holzbläser, weil er extrem flexibel tonmalerisch gestalten kann, über einen immensen Tonumfang verfügt und erstklassige Virtuosen auch in der jungen Generation für sich begeistern konnte. Wenn dann einer der meistgespielten und -hofierten zeitgenössischen Komponisten, gemeint ist Jörg Widmann, auch noch selbst Klarinette spielt, ist das Überleben des Instruments im Konzertsaal gesichert.
Trotzdem bedarf es außergewöhnlicher Wege, um den gesamten Wirkungsbereich dieses Einzelrohrblatt-Instruments zu erzählen. Annette Maye, moderne Klarinettistin in zahlreichen Musik-Genres, hat ihr vor drei Jahren gegründetes Festival zur Klarinette „Multiphonics-Festival“ genannt. Populär wurde diese speziell von Bläsern ausgeübte Spielart, bei der mehrere Töne gleichzeitig in einem Instrument erzeugt werden, im Jazz. Der Frankfurter Urjazzer und Posaunist Albert Mangelsdorff kultivierte erstmals für ein breiteres Jazzpublikum das mehrstimmige Spiel im Solovortrag und erzeugte damit einen modernen Paganini-Effekt: Das klang übernatürlich, beinahe überirdisch schön.
Solche Zwischentöne, die mit Gewöhnlichem brechen, haben immer fasziniert. Das wie auf Gummi-Lagern gezogene berühmteste Glissando der Konzertgeschichte in Gershwins „Rhapsody in Blue“ kommt auch von der Klarinette. Die glucksenden Schleifer in der Klezmer-Musik verwandeln Melodien in klingend menschliche Redekunst, und niemand grummelt so sonor im Orchester wie die Bassklarinette, niemand keift markanter als der spitze Schrei der Es-Klarinette.
Die Zeiten von Stars wie dem mit Swing und Klassik vertrauten Benny Goodman oder dem Vibrato-König Mr. Acker Bilk sind ausgeträumt, nur Hugo Strasser swingt noch exzellent für deutsche Senioren, Giora Feidman bläst für die Friedensgemeinschaft in der Welt. Der berühmteste lebende Klarinettist heißt wahrscheinlich Woody Allen – er führt die Einschaltquote an.
Wer wirklich etwas über die ganz aktuelle, sehr internationale und extrem tiefschürfende Klarinettenkunst im 21. Jahrhundert erfahren will, sollte sich bei diesem erstmals in Köln ausgetragenen sehr komplexen – mit Konzerten, Masterclass und Instrumentenausstellung – Festival umhören und –sehen. Die Geschichte der Klarinettenkunst wird täglich weitergeschrieben.
Multiphonics-Festival | 24.9.-2.10. | Ausstellung im Alten Pfandhaus (25.-27.9.), Konzerte mit den Klarinettisten Frank Gratkowski, Theo Jörgensmann, Michel Portal, Ivo Papasov, Louis Sclavis, Perry Robinson, Gianluigi Trovesi und Annette Maye | www.multiphonics-festival.com
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