Latente Schuldgefühle treten bei Menschen häufig immer dann auf, wenn Ordnungsbehörden in Erscheinung treten. Ohne Grund beginnen wir zu überlegen, ob und wie wir vielleicht etwas falsch gemacht haben könnten, anstatt keck den Gegenübern ins beamtete Gesicht zu lächeln und ohne Furcht abzuwarten. Blöd wird es nur, wenn grundlos irgendwelche hoheitlichen Maßnahmen in Bewegung gesetzt werden, auf die wir erst einmal keinen Einfluss mehr haben – und sei es nur der vorläufige Entzug einer Betriebserlaubnis nach einer Kontrolle.
Ähnlich, nur schlimmer, ergeht es einem gewissen Josef K. im unvollendeten Roman „Der Prozess“ von Franz Kafka, an dem er 1915 nach einem halben Jahr plötzlich aufgehört hatte zu schreiben. Anlässlich Kafkas 100. Todestages bringt das Bochumer Prinz Regent Theater die Geschichte von Josef K. nun wieder auf eine Bühne. Der Bankangestellte K. wird am Morgen seines 30. Geburtstags gegen acht Uhr verhaftet – und das, ohne gefrühstückt zu haben. Ein skurriler, gar surrealer Handlungsablauf setzt sich in Bewegung, an dessen Ende Josef K. in einem Steinbruch am Rande der Stadt „wie ein Hund“ (so seine letzten Worte) erstochen wird. Schuldlos, wie wir alle wissen, und ohne jemals erfahren zu haben, was er denn eigentlich verbrochen haben soll. Das könnte heute ein Mystery-Krimi werden. War es eine Reaktion auf Kritik an den herrschenden Verhältnissen oder doch nur eine persönlich Auseinandersetzung? Eigentlich muss diese Frage nicht beantwortet werden, denn so fürchterlich abwegig ist die Geschichte aus dem letzten Jahrtausend ja nicht, wenn wir uns an die politisch motivierten Morde der jüngsten Vergangenheit erinnern.
Die Aufführung am Prinz Regent Theater wird eine der letzten Produktionen des amtierenden Leitungsduos Anne Rockenfeller und Hans Dreher sein. Regie führt Remo Philipp, in dessen Inszenierung Jonny Hoff als Josef K. versucht, Licht ins Dunkle seiner Verhaftung zu bringen. Nicolas Martin spielt alle anderen Rollen – und das sind über 20 weitere.
Der Prozess | 12., 21.12., 4., 18.1. 19.30 Uhr | Prinz Regent Theater, Bochum | 0234 77 11 17
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