Immer wieder herrlich, wenn Folk und Rock verschmelzen: der Folk hat die Melodien und die Geschichte(n), der Rock die Energie. Fairport Convention elektrifizierten in den 70ern den britischen Folk, die Waterboys in den 80ern den irischen – eine neue irische Generation um die Dubliner Band Lankum erklimmt gerade das nächste Level. Bands wie Altin Gün, Derya Yildirim & Grup Simsek oder Engin bringen türkische Sounds oder Elemente auf den Dancefloor. Eine stilbildende und führende Musikerin in diesem Bereich ist die 40jährige Istanbulerin Gaye Su Akyol, die am 29. August bei der Ruhrtriennale in Duisburg zu Gast ist.
Das moderne Istanbul verkörpert für Akyol den Lebensspirit, der sich nicht von religiös grundiertem Autoritarismus unterdrücken lässt. Sie selbst kritisiert die Regierung klugerweise subtil in ihren Texten; live ist sie in ihren Zwischenmoderationen expliziter. Dabei bringt sie das Kunststück fertig, Milieus, die sich gerne aufeinander beziehen, aber selten begegnen, zusammenzuführen: biodeutsche Indie-Musikfans wie ausgelassen tanzende, textsichere Deutschtürkinnen und -türken.
Ihre Musik verquirlt traditionell-orientalisch anmutende Melodien und Motive mit krachendem elektrischem Rocksound. Die Bandmitglieder spielen maskiert, ganz in der Tradition der lateinamerikanischen psychedelischen Surfgitarrenmusik. Der zweite Strang, auf den sich Su Akyols Band lustvoll bezieht, ist der anatolisch-psychedelische Rock aus den 70ern/80ern.
„Der anatolische Drache“ (so der übersetzte Titel des letzten Albums, „Anadolu Ejderi“) befreit sich aber nicht nur aus Genrefesseln. „In einem Land, in dem selbst sich zu verlieben ein Luxus und eine politische Haltung sein kann“ (Gaye Su Akyol im Begleittext zu ihrem Album) ist die Befreiung stets auch eine körperliche. Ihre Musik, ihre rauchig-warme Stimme und ihre Performance wirken exakt so, wie sie sie in ihren Konzerten selbst bezeichnet: „rebellisch, sexy und revolutionär“. Gaye Su Akyol steckt an mit dieser musikalisch-rebellischen Energie und zeigt Körper und Kunst im Wortsinn: unverschämt. „Herrschaft ist die Monopolisierung des Genusses“ (Leo Kofler). Nicht mit uns.
Ruhrtriennale: Gaye Su Akyol | Fr 29.8. 20 Uhr | Landschaftspark Duisburg-Nord (Gießhalle; halboffen, nicht bestuhlt) | www.ruhrtriennale.de
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