Jeder besitzt dieses Instrument, und sehr viele Menschen meinen, es eindrucksvoll zu beherrschen. Nichts boomt mehr als der Wettstreit, unter Laien die angeblich beste Stimme in der breiten Bevölkerung zu finden. Was damit gemeint ist, vereint natürlich in der Welt der populären Musik viele Randgebiete, die zu einer sympathisch überzeugenden Pop-Ikone verschmelzen können: Selbstbewusstsein und Ausstrahlung verdrängen mühelos jedwede Art von Stimmakrobatik.
Das war in der Wiege des Jazz, wenn sie denn in New Orleans stand, nicht anders. Der Blues nährte sich von Text und Authentizität des Vortragenden. Der „blinde Bettler“ aus Texas und ein verurteilter Mörder aus Louisiana schrieben Bluesgeschichte, sie hatten Geschichten zu erzählen. Ray Charles, ein ebenfalls blindes und hochmusikalisches Sprengstoffpaket, war der letzte dieser Garde und der erste, den die Jazzwelt vollwertig akzeptierte und feierte. Was nicht viel heißt, blickt der Musikfreund auf die Geschichte von Frank Sinatra: Der Rock der „Rolling Stones“ versetzte diesen unerschütterlichen Star in den begähnten Rentnermodus, und die Neuzeit und seine Retro-Erscheinungen erhoben ihn gleich zum Messias der Swingmusik. Das Jazzbuch, die 650 Seiten starke deutsche Jazzbibel, widmet ihm keinen Satz – das mit dem Singen ist eine recht vage Sache.
Umso interessanter, wenn jetzt die zweite Ausgabe des Festivals „Spot on Jazz“ eine aktuelle Bestandsaufnahme in der Jazzszene startet und vokalen Jazz aus fünf Jahrzehnten präsentiert. Zwischen der holländischen Jazzlady Greetje Kauffeld und dem jungen Berliner Stimmkünstler Tobias Christ spreizt sich ein breiter Graben – es hat sich viel getan.
Greetje, Jahrgang 1939, hatte in den goldenen Sechzigern besonders in Deutschland die Schlagerwelt in Duetten mit Paul Kuhn begeistert, wechselte dann aber erfolgreich zum Jazz – vor langer, langer Zeit. Wenn ihr heute im Konzert mal der Text ausgeht, dann hilft sich der Profi mit einer netten Improvisation oder einer Moderation locker aus der Patsche – Greetje gestaltet ihre Standard-Konzerte betont familiär.
Interessant sind die ganz anderen Beiträge von Tobias Christl, vier Jahrzehnte jünger als das Meisje. Er besetzt in der Initiative Klaeng in Köln den Sängerposten, gastiert jetzt in Düsseldorf im Trio auch als Pianist. Christl betrachtet den Jazzgesang mit dem Wissen um die experimentellen Ausgeburten der „Improvisierten Musik“, an denen der Dortmunder Theo Bleckmann begeistert Anteil nahm. Er ist der bekannteste deutsche, auch in New York sehr geschätzte moderne Jazzsänger, der nun mit der Kollegin Julia Hülsmann einen Spot auf Unerhörtes aus der Feder Kurt Weills lenkt. Die Sängerinnen beherrschen ansonsten die Szene, und gleich vier Damen ziehen die „Lines for Ladies“ in einem Damenquartett. Facettenreich gestaltet sich dieses Festival, es gibt einiges zu entdecken.
Festival „Spot on Jazz“ | 11. - 13.3. | Düsseldorf: Robert-Schumann-Saal u. Jazz-Schmiede | www.robert-schumann-saal.de | 0211 27 40 00
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