In diesem Jahr wird es nix mit Geburtstagsfeier all derjenigen, die einst an einem 29. Februar zur Welt kamen. Kein Schaltjahr, keine Geschenke, und doch fast ein Jahr älter, zum Haare raufen, wenn man noch welche hat. Vielleicht hilft da ja tanzen und die Sehnsucht nach Bollywood, diesem indischen Prunk- und Liebesgeschmachte, in dem schöne Menschen andere schöne Menschen heiraten, nachdem sie natürlich viele Ungerechtigkeiten oder sogar böse Dinge durchleiden mussten. Doch Bollywood hat viele Gesichter. Kiran Nagarkar, einer der wichtigsten zeitgenössischen indischen Autoren, hat eine Geschichte über Extremismus und religiösen Fanatismus geschrieben, die von einem ungleichen Brüderpaar erzählt: Zia, schon als Kind ein mathematisches Genie, hält sich für auserwählt, die islamische Welt zu vereinigen und entwickelt sich zu einem hochmodernen extremistischen Charakter, der mit seinen Aktienspekulationen radikale religiöse Organisationen finanziert.
Zia ist Faust und Mephistopheles in einer Person und wechselt im Laufe seines Lebens dreimal die Religion. Sein hypochondrischer Bruder Amanat dagegen glaubt an nichts anderes als den Zweifel und schlägt sich als erfolgloser Drehbuchautor im Bollywood-Filmgeschäft durch. Ihre Überzeugungen könnten unterschiedlicher nicht sein, aber beide sind auf ihre Weise konfrontiert mit den großen Themen von Hingabe und Verrat, Gott und Moral, Gut und Böse, Religion und purem Leben. Nagarkars Roman eröffnet zugleich philosophische und politische Einblicke in die Fragen unserer Zeit: Religiosität, Extremismus, Globalisierung, Liebe, die menschliche Natur und die universelle Frage nach dem Sinn des Lebens. Für die Bühnenfassung von „Gottes kleiner Krieger“wird die Auseinandersetzung mit Extremismus in Zeiten der Globalisierung auf der schillernden Folie einer Bollywood-Saga verhandelt, die Schauspiel, Tanz und Musik zu einer gemeinsamen Musical-Form auf der Oberhausener Bühne vereint.
Ganz andere Dämonen treiben in den Bochumer Kammerspielen ihr Unwesen. Obwohl so ganz anders sind sie natürlich nicht. „Freitag“ ist das wohl bekannteste Stück des belgischen Dichters und Dramatikers Hugo Claus und eines der bekanntesten Stücke in flämischer Sprache überhaupt. Und doch ist „Freitag“ auf deutschen Bühnen nahezu unbekannt: Ein Mann, verurteilt wegen unsittlichen Verhaltens gegenüber seiner mittlerweile erwachsenen Tochter, kommt nach Jahren im Gefängnis nach Hause. Im Zimmer neben der guten Stube schreit ein Baby. Seine Frau macht keinen Hehl daraus, dass der Vater des Neugeborenen der jüngere Nachbar ist. Der Heimgekehrte reagiert scheinbar unbeteiligt. Die Zeit im Gefängnis und die Frage nach der eigenen Schuld haben ihn hart und schweigsam gemacht. Doch die Dämonen verfolgen ihn. Auch seine Frau weiß nicht, zu wem sie gehört. Nicht einmal das Kind scheint ihr nahe zu sein. Ihr Geliebter hat längst beschlossen, das Kaff zu verlassen. Claus, der mehrfach für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen war, lotet hier die Grenze zur unwiderruflichen Schuld aus.
„Gottes kleiner Krieger“ | Theater Oberhausen | Premiere: Mi 19.2. | 0208 57 81 84
„Freitag“ | Kammerspiele Bochum | Premiere: Sa 15.2. | 0234 33 33 55 55
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