Foto: Bernadette Grimmenstein

Künstler der Superlative

10. März 2025

Trompetenstar Wynton Marsalis in der Essener Philhamonie – Improvisierte Musik in NRW 03/25

Superlative prägen die imposante Geschichte des Jazztrompeters Wynton Marsalis. Allein der Gewinn zweier Grammys in einem Jahr für Klassik und Jazz ist einzigartig geblieben. Mehr als 1500 Titel hat er im Studio eingespielt, 5000 Konzerte in mehr als 60 Ländern hat er in seiner Karriere gespielt, und es werden jährlich mehr. Ein Live-Konzert mit Jazz in einem weiteren Klassiktempel – die Band reist an vom Concertgebouw in Amsterdam – kommt jetzt in Essen hinzu: Das von ihm gegründete Jazz at Lincoln Center Orchestra ist seit bald vier Jahrzehnten eine Bastion in Sachen Big Band Jazz.

Er selbst greift in diesem Orchester gern zum Horn. In einem virtuosen Schnelldurchgang über die Harmonien des Standards „Cherokee“ stellte er in einem Konzert kurz klar, warum er als Leiter fungiert. Seine Phrasierung, die wildesten melodischen Kaskaden in absoluter Reinheit und Deutlichkeit, sein gewaltiger Ansatz und sein Vorwärtsdrang, das sind ganz persönliche Qualitäten, die sein Spiel einzigartig machen. Da gucken die Sidemen im Orchester immer wieder frisch begeistert auch ein wenig stolz auf diesen Ausnahme-Instrumentalisten.

Die Wurzeln des Jazz interessieren den Chef der Big Band, deshalb gräbt er nach Worksongs, Gospel und natürlich nach der Musik seiner Heimatstadt New Orleans. Marsalis berücksichtigt auch die herausragenden musikalischen Persönlichkeiten in seiner Band, Führungskräfte der amerikanischen Jazzszene. Deshalb räumt er den Musikern – und in einem zweistündigen Konzert beinahe allen – Zeit für ausgiebige Improvisationen ein. Und er hört den Geschichten seiner Sidemen zu, nickt dann zufrieden oder stöhnt ein originales „Yeah“. Manchmal rudert er mit der Hand: Noch ein Kapitel, noch ein Chorus!

Neun Grammy hat er eingesammelt, dazu den Pulitzerpreis und recht frisch den japanischen Kunstpreis Praemium Imperiale. Seine konservative Ausrichtung auf den sogenannten Straight Ahead Jazz, also kein Rap, Free oder Elektronic-Mischmasch, keine Fusion, hat ihm schon schöne Kommentare innovativer Kollegen eingebracht. Er ist als leidenschaftlicher Swing-Spieler manchem Star verdächtig. Keith Jarrett: „Marsalis ist genauso jazzig wie jemand, der einen BMW fährt, sportlich ist.“ Sehr viele begeisterte BMW-Fahrer freuen sich auf Wyntons hochwertige Jazz-Band.

Jazz at Lincoln Center Orchestra mit Wynton Marsalis | Mo 24.3. 20 Uhr | Philharmonie Essen | 0201 812 22 00

Olaf Weiden

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