Karnevalesk

17. Februar 2014

WestStadtStory begeistert mit Poetry Slam am 15.2.

Das hatte schon etwas von Monty Python: „Kennt ihr das, wenn ein Cowboy sagt: ,Ich sehe heute total gut aus', und ein Zwerg erwidert: ,Das halte ich für ein Gerücht'? Willkommen bei der WestStadtSory!“ fasste Moderator Jay einen skurrilen Wortwechsel pointiert zusammen. Auch wenn es noch etwas hin ist bis zur offiziellen Karnevalshochphase, proklamierte das Moderatorenteam um Jay und Thomas die Slam-Runde zur Faschingssitzung. Kostümiert als Pinguin, Zwerg oder Cowboy (samt Pferd) betraten sie die Bühne in der Weststadthalle und erklärten ein traditionelles Gebot des Hauses: Pferderennen ist Pflicht. Mit diesem Rudelritual heizte Moderator Thomas dem Publikum ein: Galopp, Linkskurve, Rechtskurve, Hechtsprung über die Hürde; zwischendurch die absurde Ansage: „Metallfestival!“. Ein klischeehaftes Grölen zischt durch die Weststadthalle. Dann geht es aber mit dem los, was eigentlich im Mittelpunkt steht: die Texte der PoetInnen.

Über Freundinnen, Ex-Freundinnen und den ganz normalen Chauvi

Den Anfang der K.O.-Runde machte Tobi Katze, der die Hauptfigur „Ute“ lancierte, seine Ex-Freundin, nicht selten auch Mittelpunkt seiner weiteren Texte. Bevor es zur Begegnung mit Ute kam, schwelgte er aber in seinem Text augenzwinkernd von den Irrungen und Wirrungen der Einsamkeit: „Ich bin nicht so häufig Single, aber wenn, dann ist es was Ernstes.“ Zumindest sei dabei der Versöhnungssex toll. Nach dieser süffisanten Eröffnung wurden auch die existentiellen Fragen thematisiert.
Das kann verkrampft oder aber auch beeindruckend wirken wie bei Jason Bartschs Auftakttext. Dieser handelte von einem alten Greis, der mit einer Krebserkrankung kämpft. Tod, Vergänglichkeit, Abschied – das Ableben es alten Mannes wird beklemmend geschildert. Den ganz alltäglichen Sexismus entblätterte hingegen Luise Frentzel, eine von zwei Frauen des Abends. Dieser „Gesellschaftsirrsinn“ wird aus subjektiver Perspektive entlarvt. Es wird eine Welt geschildert, in der die Begegnung mit hirnlosen Machos allzu häufig vorkommt. Jeder Hieb gegen diese sexistische Welt wird aber gleichzeitig poetisch zelebriert.

Was Sie schon immer über Literatur wissen wollten...

Begleitet von den amüsanten Intermezzos des Moderatorenteams ging es dann auch unterhaltsam Richtung Finale, in dem Jason Bartsch und Tobi Katze gegeneinander antraten. Tobi gewann dem Thema Depression in einem unwiderstehlichen Auftritt die heiteren Seiten ab und lieferte die Steilvorlage für einen von vielen Running-Gags. Damit kickte er Luise Frentzel, seine eigene Freundin, aus dem Rennen. Getoppt werden konnte das nur noch vom sprachlich begeisternden Jason Bartsch. Präsentierte dieser noch im Halbfinale ein ironisches Hohelied auf die Literatur, in dem (un)vermeintliche Zusammenhänge von Sex und Wort offenbart wurden, so waren seine finalen Sprechsalven eine Hymne ans Fernweh, ein Hauch von Kerouacs „On the Road“, wo der Daumen am Straßenrand noch ein Lebensgefühl von Freiheit signalisiert. Für ihn zückte die Mehrheit des Publikums ihre Abstimmkarten. Und wie sollten die Finalisten heute anders als in und mittels Kostümierung gekürt werden? „Es wäre nett, wenn Ihr trotzdem beim nächsten Mal wiederkommt!“, verabschiedete Pinguin Jay mit Ironie ob des karnevalistischen Treibens auf der Bühne das Publikum in den Abend.

Benjamin Trilling

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