„Spieltrieb“
Foto: Birgit Hupfeld

Keiner spielt vollkommen

24. November 2016

„Spieltrieb“ in Bochum – Theater Ruhr 12/16

Die Unendlichkeit ist nur ein strukturelles Problem, selbst in einer hoch spannenden Verführungs- und Erpressungsgeschichte zwischen zwei Schülern und ihrem Lehrer. Sie bleibt trotz Generationenwechsel und Auflösung aller Werte Bestand des Daseins. Auch das zeigt der „Spieltrieb“ nach dem Roman von Juli Zeh im Bochumer Prinzregenttheater dem Zuschauer. Gespielt vom Jugendclub Junge Prinz*essinnen 15+. Aber das ist eigentlich nach ein paar Minuten vergessen. Hochprofessionell fließt unter der Leitung von Clara Nielebock die hochkomplexe Geschichte dahin und die Texte ihrer Bühnenfassung sind kein leichtes Brot für die jungen Mimen. Insbesondere Jacob Schmidt als (böser) Alev hat da einen gewaltigen Berg vor sich und er meistert ihn grandios, schon vor dem Einlass meldet er sich via Monitor bei den wartenden Zuschauern und erklärt Aspekte der Spieltheorie.

Mit der umgarnt er auch Mitschülerin Ada (überzeugend: Elena Ubrig), die bis dahin ziemlich gelangweilt durchs Leben trieb, ihr Liebesleben mit Olaf (Jonathan Häher) versiebte. Doch jetzt? Alev heckt einen Plan aus, sie macht mit, warum eigentlich? Jede Entscheidung ist doch nur ein gut einstudiertes Spiel, doch unter dem Strich bleiben Wunden, Verletzungen mit Folgen. Trotz rationalem Entscheidungsverhalten geht der Lehrer Smutek (Joscha Kühn) auf den gefährlichen Leim, den Alev in der Turnhalle verstrichen hat. Ada verführt ihn nach Plan, gemeinsam erpressen sie ihn, doch am Ende wird es nur einen Verlierer geben. Gott ist ein Jurist, denn er macht die Regeln und auch die scheinen verletzt zu sein. Smutek wehrt sich mit Gewalt, Ada lässt das Missbrauchsverfahren vor Gericht platzen, Alev hat das Spiel verloren. Nur ein künstlicher Spieler ist ein richtiger Gegner, seine Gegenüber waren es anscheinend nicht.

Die junge Gruppe verheddert sich nicht in der Spekulation eines Erfolgs. Nicht alle Rollen erzeugen Aufmerksamkeit, doch alle sind auf ihre Weise sehenswert, sei es der wortgewandte Geschichtslehrer Höfi (Lukas Vogelsang) oder Dyana Krupetzki als wibbelige, überforderte Mutter oder Enya Becirevic als Ehefrau Schneewittchen. Auch ein Erfolg der Regie. Absolut sehenswert.

„Spieltrieb“ | R: Clara Nielebock | Sa 3.12. 19.30 Uhr | Prinz Regent Theater Bochum | 0234 77 11 17

PETER ORTMANN

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