Der Slammer Sim Panse hat damit am Anfang seine Probleme: In der Reinoldikirche hallen seine schnellen Verse für Sekundenbruchteile leicht nach, was ihn bei seiner Performance zunächst ein wenig irritiert: „Entschuldigung, diese Halle macht mich echt...sorry...“ Nach kurzer Zeit läuft' s dann aber. Mit dem Künstler-Team „Brave New Word“ steht der Bremer Slammer oft für sozialkritische Töne. Mit einem solchen Beitrag gewinnt er schließlich (nachdem er sich an die Akustik in der Halle gewöhnt hat) auch das Finale des „Himmel und Hölle“-Slams.
Ungewohnt ist die Halle auch für Moderator Sebastian 23: „Normalerweise ist die Decke nicht so hoch bei Poetry Slams.“ Noch überraschender schien es, eine Kirche so voll zu sehen. Entsprechend ergänzt er die obligatorische Slam-ModeratorInnen- Frage an das Publikum, wer denn zum ersten Mal beim Slam sei: „Wer ist zum aller ersten Mal in der Kirche?“ Ein Großteil der rund 450 Gäste hebt die Hand.
Pommesgabel für Satan
Für die VeranstalterInnen ist diese Provokation gewollt. Denn anlässlich des Themenjahrs „gotteswort – Reformation. Bild. Bibel“ wollten St. Reinoldi und das Evangelische Erwachsenenbildungswerk vor allem auch jüngere Nicht-KirchengängerInnen anlocken. Nur das Slam-Motto des Abends gab man zumindest vor: „Es ist ein Themen-Poetry-Slam. Es wird also immer auf die eine oder andere Weise um die Themen ,Himmel und Hölle' gehen“, so Sebastian 23. Das griffen die SlammerInnen ganz unterschiedlich auf. Micha-El Goehre nimmt zunächst Partei für die eine Seite: „Ich bin eher so das Team Hölle. Das liegt an meinem Musikgeschmack. Ich höre Heavy Metal.“ So liest der Bielefelder Metal-Aficionado das „Tagebuch eines Black-Metal-Fans“ , das heißt, viel Dosenbier trinken, laut gröhlen und es wird fleißig „Satan gepriesen“. Das läuft natürlich auch in der Kirche nicht ohne finale Pommesgabel.
„Es gab nur Becks. So viel zum Thema Himmel“
Hinnerk Köhn lotet dagegen die Vorstellung vom Himmel auf ganz eigene Art und Weise aus. Sein „lyrisches Ich“ hat es nach einem Verkehrsunfall mit Petrus an der Himmelspforte zu tun, „Sachbearbeiter Nr. 1“ da oben. Der raucht, säuft („nur Becks – so viel zum Thema Himmel“) und kifft vor allem gerne. Mit dem Szenario kommen glücklicherweise auch satirische Anspielungen nicht zu kurz – etwa wenn Petrus erklärt, warum so viele Pegida-Nazis die Hölle dem Himmel vorziehen: „Zu viele Moslems hier.“
Vor allem in den Finalbeiträgen wird die Hölle dann irdisch verortet. So etwa in Sim Panses Sieger-Text: „Es geht um Krieg, also um Hölle.“ Die Kriegshetze, die er in seinen Sprechsalven performt, ist leider brandaktuell: „Höret uns, ihr Scharen / zögert nicht und kommt geschwind, / Krieg gegen die Barbaren!“ Zappendüster ist es dann auch in den Versen der Wiener Slammerin Adina von Möchtegern: Raub, Plünderung, Mord, Krieg – „was ist los mit dieser Welt?“, fragt sie empört. Zumindest bei Adina gerät die Sozialkritik gegen Krieg und Ausbeutung nur leider zum ultra-expressionistischen Rundumschlag gegen Egoismus und Gier. Ihre Lösung? Ein Blick in den Himmel: „Woher kommt meine Lösung?“ So was ist dann aber doch nicht so überraschend in einer Kirche.
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