„Krankheit der Jugend”
Foto: Charlene Markow

Kodex-Erschütterungen

28. Februar 2013

Bruckners „Krankheit der Jugend“ in Bochum – Theater Ruhr 03/13

Jugend kann nie gesund sein. Jugend ist ein Gefahrenherd. Der „young’n‘rotten“-Club im Bochumer Rottstraßentheater experimentiert also mit wilden Spielen um Macht und Abhängigkeiten. Auf dem Programm steht Ferdinand Bruckners „Krankheit der Jugend“. Das heißt, Medizinstudenten am Rande der Selbstvergessenheit, aber auch Sex, Drugs and Rock’n‘Roll. Regisseurin Ariane Kareev liefert damit ihre zweite Regiearbeit in den Katakomben unter der ab und an ratternden S-Bahn-Trasse ab. Irgendwie passt das zu Bruckner.

Klar, es wird laut unter den angehenden Schauspielschülern, manchmal zu laut. Doch nicht jedes Textgebrülle hilft dem Stück und der Inszenierung, wo Kareev eine imaginäre Figur in den Klassiker der Moderne einbaut: eine ständig auf der Bühne präsente Elfe (Cheerleaderin Lisa Radke), die zwischen der desorientierten Jugend versucht die Balance herzustellen, die den angehenden Doktoren in der alten Wiener Pension einfach fehlt.

Völlig überzeichnet stehen im Mittelpunkt Freder (Christian Freund), ein Ex von Desiree (Fiona Feerick), die wiederum ein Auge auf die spießige promovierte Marie (Carina Borgards) geworfen hat, die sich eigentlich den angehenden Schriftsteller Petrell als Bubi hält.

Nix ist also mit Wiener Pension, alle wohnen laut Programmheft beim bösen Freder, der mit wilden Blicken und allerlei Brimborium den Frauen nachstellt, dem Alkohol frönt und Maries Dienstmagd irgendwann auf den Strich schickt. „Ich muss ein heißes Fußbad nehmen“, diesen Satz nimmt man ihm locker ab. Choreografisch ist es eher ein Rein und Raus mit kleiner Orgie, doch die Auseinandersetzungen nehmen zu. Desiree begeht Selbstmord, Freder erschießt Marie, quasi auch ein Selbstmord, weil sie festgestellt hat, wie wichtig ihr Desiree gewesen ist. Am Ende soll alles nur ein Traum gewesen sein; ob das für diese Inszenierung reicht, ist fraglich. „Es ist erstaunlich, wie schnell man überwindet“. Die Zeile könnte Programm sein, ist es aber leider nicht – und von Theodor Tagger bleibt nur das Gerüst.

„Krankheit der Jugend“ I Mo 4.3.19.30 Uhr I Rottstr 5 Theater Bochum I 0163 761 50 71

PETER ORTMANN

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