Sie begegnen sich auf einem Flughafen nahe Bukarest. Die Ich-Erzählerin ist früh dran, vertreibt sich die Wartezeit und bemerkt, dass jemand sie beobachtet, mehrfach in ihrer Nähe auftaucht. Bis zum Boarding hat sie es wieder vergessen, doch auf einmal tauscht ihr Sitznachbar im Flugzeug den Platz und Victor sitzt neben ihr. Aus einem spielerischen Gespräch während des Fluges entsteht eine leidenschaftliche Beziehung. Sie zieht bald bei ihm in einem Vorstadthaus ein, doch das ist nur der offensichtlichste Teil ihres Lebens, in dem sie zunehmend von ihren Kontakten abgeschnitten lebt.
Victor isoliert sie immer mehr, redet ihr berufliche Ambitionen aus. Ständig schenkt er ihr außerdem etwas. Sie durchschaut, dass diese Geschenke sie zu mehr „Weiblichkeit“ anregen sollen. Dass es zum unweigerlichen Kipppunkt kommt, nimmt die Erzählerin auf den ersten Seiten vorweg. Umso beachtlicher ist, wie der Roman in seinen Bann zu ziehen vermag und wie bei dem stilistisch ruhigen Text aus der Retrospektive Unbehagen aufkommt. Es wird deutlich, dass die Protagonistin die Probleme bei anderen sieht, gar adressiert, aber bei sich selbst und der eigenen Beziehung lange nicht bereit ist zu handeln. Neben ihrer zunehmend in eine Abhängigkeit driftenden Beziehung stehen zwei weitere Beziehungen als ambivalente Referenzpunkte im Zentrum des Romans: Da ist die Ehe der Eltern der Erzählerin, in der die Mutter lange eine Affäre des Vaters duldete. Das Nachdenken über diese Beziehung erscheint vorrangig als die Flucht vor den eigenen Problemen, während die Beziehung der Nachbarn als aufschlussreicher Spiegel dient. Victors Bruder Bogdan lebt mit seiner Frau Andrada im Haus nebenan und die Erzählerin fragt sich schon länger, ob er mitunter handgreiflich wird. Als sie es tatsächlich mitbekommt, ist es das gewalttätige Verhalten seines Bruders, das auf einmal Angst vor Victor bei ihr auslöst – nicht etwa dessen eigenes übergriffiges Handeln. Es sind Details wie ein Schuhkarton mit Wertsachen, den Andrada ihr einmal zum Verstecken anvertraute, die die Erzählerin nunmehr rückblickend reflektiert und anhand derer der Roman auch die Akzeptanz dessen beleuchtet, was Menschen einander in Beziehungen antun.
Lavinia Branişte: Du findest mich, wenn du willst | A. d. Rum. v. Manuela Klenke | mikrotext | 272 S. | 26 Euro
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