Neues von Carla Bley
Foto: Klaus Muempfer

Leere Kassen überall

06. Juni 2012

Moers lässt das Festival munter wackeln – Improvisierte Musik in NRW 05/12

Pfingsten ohne Moers wäre wie Dienstag ohne Dallas – ein alter Spruch, an Dallas können sich nur die Älteren erinnern, und alle leben noch. Doch konnten Kulturfreunde und Moers-Gänger auf Dallas auch schon zur Sturmzeit der berühmtesten Kapitalisten-Soap ohne Verlust verzichten, so wäre der Untergang eines im aktuellen Jahr die fünfte Dekade anstoßenden Festivals schon eine dramatische Niederlage der Region Niederrhein – denn ums Überleben gekämpft wird schon seit vielen Jahren.

Trotzdem verkündet uns Reiner Michalke auch in diesem Jahr, dass nichts besser wird. Auch wenn das Festival im letzten runden Geburtstagsjahr wieder Rekordbesuch wie in allen Jahrzehnten zuvor meldete – die Journalisten und Augenzeugen sprachen gern andächtig hinter vorgehaltener Hand vom „Wunder von Moers“ –, die Finanzierung für die kommenden Jahre wackelt beständig. Aber heuer ist das Fest angerichtet.

Der Kunstakt wurde vor einiger Zeit bereits von traditionellen vier Tagen auf drei heruntergeschmolzen und mit einem „Helge“-Abend zum Kasse-Machen aufgefüllt – eine gute Idee. Es verbleiben knapp 20 Konzerte, die aktuell viele alte Köpfe der damaligen Avantgarde-Szene neu ausstellen. Als Haupt-Act des Festivals wurde die Künstlerin Carla Bley gewonnen, die sowohl im Trio mit ihrem Lebensgefährten Steve Swallow und dem gestandenen Briten Andy Sheppard am Saxophon wie auch mit Big Band und Kinderchor und einem neuen Werk auftritt – Uraufführung im Zirkuszelt. „Throat Singing“, eigentlich eine Spezialität für Weltmusikfestivals, findet in Moers den Weg auf die Kunstbühne mit Tanya Tagaq aus arktischen Gefilden. Am Eröffnungstag erscheint auch Gunter Hampel, ein „Steinzeit-Freejazzer“ mit Kultstatus, dessen kleine Gemeinde ihn wie eine Reliquie verehrt. Rückkehr nach mehr als 30 Jahren feiern die Heroes James „Blood“ Ulmer und Joe Bowie mit seiner Band, Punkjazz, Krach und wilde Mimen.

Zum Sonntags-Kaffee streicht Erik Friedlander sein Cello und zeigt dazu Dias von seinem Papa. Vorher gibt es Ethno-Experimental mit verschiedenen Gruppen, zum Feierabend noch mal einen peppigen Rausschmeißer. Es gibt wieder einiges zu entdecken, diesmal im Schwerpunkt neue Projekte bereits langjährig getesteter Moers-Musiker. Hoffentlich spielt auch das Wetter mit, sonst sind die Pausen im Programm nämlich nur schwer zu ertragen. Ohne Pfingstfluten sind ja die Pfingstspaziergänge durch die bunte, exotische Vielfalt der Imbiss- und Nippesbuden, die Campinglandschaft mit Duftaromen frisch aus dem Coffeeshop und die niemals verstummenden Dröhnbongos obligatorisch.

Moers Festival 2012 | 25.-28.5. | www.moers-festival.de

Olaf Weiden

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