„Hin und Weg“
Foto: Christian Nielinger

Leid in der Wartehalle

24. November 2011

Ulrich Greb inszeniert in Moers „Hin und Weg“ – Theater Ruhr 12/11

Eager passengers line up outside the gate before those on the incoming aircraft have even deplaned. Check your baggage. Abflug Moers. Ankunft Wartehalle am Solimare. Mit einer Bordkarte bestückt erreichen die Zuschauer die STM Airline Boarding-Zone. Die Kunst des Abgangs hat Schlosstheater-Chef Ulrich Greb seine „musikalische Grenzüberschreitung“ untertitelt, „Hin und Weg“ heißt es da. Da aber erst einmal beginnt das Warten in der mit Schauspielern nicht gerade überfüllten Halle.

„Leaving on a Jet Plane”. Peter, Paul und Mary singen erst einmal, und die sechs aus dem Ensemble beginnen, 20 Protagonisten des fiktiven Flughafens zu spielen. Sie sind Service-Reinigungskräfte, schnöde Urlaubsreisende, stolze Piloten und Menschen, deren Schicksal hier aufeinanderprallt. Alles untermalt von einem live eingespielten Soundtrack, der das Amüsement des Beobachtens noch steigert, auch dann, wenn die sechs dann und wann mit den Höhen und Tiefen der Popsongs kämpfen müssen. Und singen müssen sie, denn die Lieder sind Matrizen für die szenische Handlung, die Ulrich Greb selbst geschrieben und dann inszeniert hat.

„Wo ist Ronnie“ – eigentlich sollte der Verlobte mit dem Flieger kommen. Ein Stofftier liegt schon für ihn bereit. Doch er wird Moers nicht erreichen. Auch Yutaka Kobayashi bleibt lieber fern, die Liaison mit der aufgeregten Frau scheint doch nicht so ganz, nun ja, sie lässt ihn jedenfalls quer durch die Inszenierung ausrufen. Mitten drin auch Herr Durow auf der Durchreise zu einem Geschäftstermin, dummerweise hat er Verspätung, sein Handy glüht, seine Laune auch, Flieger um Flieger wird gecancelt, auch Umwege über russische Kleinflughäfen bringen ihn nicht weiter, aber vielleicht ans Ende seiner beruflichen Karriere. Merkwürdige Personen bevölkern die Wartehalle, eine geheimnisvolle Plastiktüte stiftet Unruhe.

Viele der Szenen kommen dem Besucher vertraut vor, die Choreografie zwischen der stoisch wischenden Reinigungskraft und den hastigen Gängen zur 1 Quadratmeter großen Raucherzone, die quäkenden Durchsagen, das endlose Warten. Ulrich Greb hat ein Flughafen-Tableau entworfen, das zwischen Sentimentalität und Posse einen musikalischen Mittelweg findet.

„Hin und Weg“ I So 4.12., 18 Uhr I Theaterhalle Moers I 02841 883 41 10

PETER ORTMANN

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