„Winkelmanns Reise ins U“
Foto: Birgit Hupfeld

Leuchtturm im Revier

22. Dezember 2011

Adolf Winkelmann inszeniert sein Buch – Theater Ruhr 01/12

Die Tauben hoch über Dortmund fliegen noch. Besser, sie flimmern über 1,7 Millionen Leuchtdioden, 50 Meter über den Baustellen rund um das U, einst Kühlturm einer ortsansässigen Brauerei. Künstler dieses großartigen monumentalen Videostreams ist Adolf Winkelmann, Filmemacher und Kind der Stadt. Er hat die Geschichte der Entstehung dieses neuen und einzigen Leuchtturms des Ruhrgebiets auf die Theaterbühne gebracht.

„Winkelmanns Reise ins U“ heißen Stück und der davor erschienene Roman, beides soll ein erfundener Tatsachenbericht sein – es ist auch eine Abrechnung mit der Region, denn die Kommunen gleichen sich in ihrem Umgang mit Künstlern. Der Running Gag-Satz „Das kommt jetzt aber nicht ins Protokoll“ ist nicht auf Dortmunder Sitzungen beschränkt; die nachträgliche und von Winkelmann sehr persönlich genommene Bautätigkeit ums U passt natürlich auch ins Bild. Dieser politische Filz würde auch einer Reihenhaussiedlung um Serras Bramme herum zustimmen, wenn es nur die Gemeindekasse aufbessern würde.

Aber darum geht es in dem Science Fiction-Spiel im Dortmunder Schauspielhaus nur hintergründig. Erst einmal: Winkelmann liefert eine hervorragende Inszenierung ab, die nicht nur überzeugend mit der Bühnenmotorik spielt, die eigentlich auch eine neue Qualität für den Einsatz von Video auf der Bühne liefert. Köstlich die Funk-Handkamera in einem Brötchen.

Axel Holst spielt Winkelmann, den scheinbar mehr das Catering als die Filmidee interessiert. Der sich in den Katakomben unter dem U fürchtet, wo nicht nur die „Magic Foils“, das sind 9006,12 Meter goldene Filmstreifen von 1926, die mit keiner herkömmlichen Technik lesbar sind, die aber merkwürdigerweise nicht aus der Vergangenheit stammen können, sondern auch den geheimen Ort finden, wo alle städtischen Protokolle wieder und wieder auf Papier gescannt werden. Wenn man in ferner Zukunft die Stadt, die von wandernder Wüste bedroht wird, wieder ausgräbt, dann wird man wissen, welche Kommune als einzige im Ruhrgebiet im Gedächtnis bleibt. Als Schlusspunkt mauert man sich schon mal ein, genauso wie die Stadt es mit den 1,7 Millionen Leuchtdioden gemacht hat.

„Winkelmanns Reise ins U“ I So 8.1., 18 Uhr I Theater Dortmund I 0231 502 72 22

PETER ORTMANN

biograph | choices | engels und trailer - die online Kinoprogramme für
Bochum, Bonn, Castrop-Rauxel, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Frechen, Gelsenkirchen, Hagen, Herne, Hürth, Köln, Leverkusen, Lünen, Mülheim, Neuss, Oberhausen, Recklinghausen, Solingen und Wuppertal