„Schwarze Löcher“ nennt Dominique Manotti die Lücken, die sich auftun, wenn sie in Zeitungsarchiven stöbert. Die Autorin wird zunächst von Redaktionen wie „Libération“ herzlich empfangen. Dort durchforstet sie stapelweise alte Ausgaben. „Aus diesen ganzen Vorarbeiten entnehme ich eine ganze Reihe von Fakten“, erzählt die Krimi-Schriftstellerin. Tagespolitische Turbulenzen, ökonomische Schieflagen – Inspiration findet sich schon immer in der Presse. „Dann kommt meine Fantasie ins Spiel“, erklärt Manotti. „Ich habe alle Freiheiten, diese ‚schwarzen Löcher‘ durch meine Imagination zu füllen.“ Fakten, Fantasie, Plot, Figuren, das sind die Bausteine ihres kreativen Schaffens.
Das Ergebnis: elf Romane und eine Novelle, die Manotti seit 1995 veröffentlicht hat. Bei der feierlichen Eröffnung des Festivals Literatürk (12. - 22. November) unter dem Motto #Mut präsentierte sie ihren aktuellen Roman. „Kesseltreiben“. Der Titel folgt ihrem bisherigen Erfolgsrezept und verbindet Krimi-Unterhaltung mit politisch-ökonomischen Zusammenhängen.
Ausgangsmaterial von „Kesseltreiben“: die Fakten rund um die Übernahme des französischen Energiekonzerns „Alstom“ durch den US-Riesen „General Electric“. Korruptionsvorwürfe, Schmiergelder und andere Machenschaften geisterten 2014 durch die Medien. Manotti hat aus der „Alstom“-Affäre einen Wirtschaftskrimi gestrickt, in der Commandante Noria Ghozali die Ermittlungen übernimmt, eine Figur, die ihren LeserInnen aus früheren Büchern bekannt ist. „Das ist eine wichtige Figur für mich“, erzählt die ehemalige Wirtschaftsgeschichtsdozentin. „Sie verkörpert die jungen Frauen, die ich während meiner Lehre an den Unis kennengelernt habe.“
Noria Ghozali stößt in dem rund 400 Seiten dicken Wälzer auf eine globale Konzernwelt, die sie zunächst nicht durchblickt. Doch gerade mit dieser Unwissenheit spielt Manotti. In den spannenden Plots ihrer Krimis verpackt die einstige Aktivistin allerhand Didaktik über ökonomische Zusammenhänge.
Marie-Noëlle Thibault, so der bürgerliche Name der Autorin, ist ein Kind der 68er-Bewegung. Nach der Enttäuschung über die linke Mitterrand-Regierung in den 80ern wandte sich die Französin von der Politik ab. Ihr Aktivismus wich einer Aufklärung durch Literatur, die durch ihre einstige marxistische Lektüre geprägt ist. „Der Roman ist dafür da, dass alle Bürger und Bürgerinnen ihn lesen und verstehen, was sich abspielt“, sagt die 76-Jährige. Auch wenn sie gesteht: „Es ist verdammt schwer, einen Roman über Finanzen zu schreiben, weil lustig sind diese Sachen nicht.“ Frankreichs Presse und Öffentlichkeit missachtet ihre kritischen Krimis bis heute, wie sie an diesem Abend beklagt. Anders sieht es östlich des Rheins aus: Ihr mutiges Schreiben gegen die undurchsichtige Welt der Konzerne, kommt bei Manottis LeserInnen nicht nur gut an, es inspiriert sie auch für zukünftige Krimi-Ideen: Ein Fan ihrer Bücher bat sie salopp darum, mal über die Konzern-Verstrickungen eines bald möglichen CDU-Kanzlers Friedrich Merz zu recherchieren. Genug Fakten gebe es ja zum Thema Blackrock. Der Rest sind „schwarze Löcher“.
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