Die Sprache Gottes ist Finnisch. Das wussten die wenigsten, dennoch hat das irgendwann eine populärwissenschaftliche Studie in Finnland ergeben – ergeben wir uns nun der Logik der frühen Sektierer. Warum das Stück „Finnisch“ heißt, erschließt sich dennoch nicht, ein Autist auf Freiersfüßen, das ist sicher nicht an nordeuropäische Landstriche gebunden und es wird dadurch auch nicht einfacher für den Menschen, der sich da akribisch auf eine körperliche Begegnung mit einer Postbotin vorbereitet.
Die hat er beim Vater im Heim gesehen und sich auf der Stelle verliebt, kennen lernen ist da leicht gemacht, man sendet sich selbst ein Päckchen und schon muss die Angebetete auftauchen, doch so einfach ist das für diesen Menschen nicht. Aber er hat erst einmal Zeit. Zum Üben, zum Argumentieren, Planen und Probieren. Dennis Herrmann ist im Bochumer Theater Unten dieser junge Mann, den der erste Blick auf die Liebe schaudern lässt. Regisseurin Maren Watermann hat ihn in eine Kammer voller Schmetterlingskästen gesperrt. Nur wenige Löcher führen nach draußen, in seinem Kopf dürfte es genauso aussehen. Schubladen voller standardisierter Gedanken, dazu ein Merkheft mit bunten Notizzetteln. Möglichkeiten einer Konversation, Möglichkeiten eines körperlichen Kontakts. Herrmann spielt dies ausgezeichnet durch, keine Minute Langeweile, obwohl es sich doch immer um dieselbe Sekunde dreht: Schelle, Tür auf. Blackout.
Dass seine Obsessionen ihm im Wege stehen könnten, das weiß der junge Mann, aber er hofft auf eine dauerhafte Veränderung seiner Lebensumstände, Einsamkeit stört nicht den geregelten Ablauf, aber sie frisst an der Seele, selbst wenn die Leselampe exakt eineinhalb Fußbreiten neben dem Sessel steht. Die aufgespießten Schmetterlinge in ihren Setzkästen, können ihm da auch nicht helfen, selbst wenn sie bei einer rührseligen Einlage genial grandios wieder ins Leben zurückgeholt werden. Die Argumentation, das Für und Wider in Wort und Benimm fressen den Liebenden dann doch eher auf. Ein Lob für Choreografie und Bühne und für den sichtbar unsichtbaren Multiinstumentalisten Volker Kamp. Ein schöner Abend mit finalem Finish.
„Finnisch“ | R: Maren Watermann | Mo 20.2. 19.30 Uhr | Theater Unten, Bochum | www.schauspielhausbochum.de
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