Wenn in diesem Herbst zum elften Mal das Macondo-Festival in Bochum zur Entdeckungsreise in die aktuelle Literaturszene lädt, gibt es eine wichtige Neuerung: Fester Veranstaltungsort ist die Rotunde, der ehemalige Katholikentagsbahnhof am Rande des Bermuda3ecks in Bochum. Schon im Sommer fand im stimmungsvollen Ambiente unter dem kreisrunden Oberlicht die „Heldendämmerung“ statt. Als die Macondo-Herausgeber unter diesem Titel die aktuelle Ausgabe ihres Literaturmagazins zum Thema „Helden“ mit Lesung, Fotoausstellung und Live-Musik vorstellten, konnte man einen Vorgeschmack dessen bekommen, was in dem Gebäude möglich ist. Noch ist vom städtischerseits viel beschworenen Kreativquartier Viktoriastraße nicht viel zu sehen, aber hier wird in privater Initiative ein Grundstein gelegt für ein Haus der Literatur, Musik und Kunst.
Geplatzte Pläne und Neuorientierung
Vieles war anders gedacht für das Literaturfestival im Jahr von RUHR.2010, doch in Zeiten knapper Kassen ist Flexibilität gefragt: „Wir hatten eigentlich schon für unser zehnjähriges Jubiläum im vergangenen Jahr einen Neustart für das Festival geplant, eine Neu-Positionierung als reines Nachwuchsfestival samt Literaturpreis“, erläutert Festivalmacher Frank Schorneck. Doch die Haushaltssperre der Stadt Bochum und das damit verknüpfte Wegbrechen weiterer Finanzierungsmöglichkeiten machten einen Strich durch diese Rechnung. „Nun veranstalten die Kollegen vom Hamburger Harbour Front Festival mit ihrem riesigen Etat einen Debütantensalon“, erklärt Schorneck den Zug für abgefahren, „da würde das gleiche Konzept in Bochum wie eine billige Kopie wirken.“
Was auf den ersten Blick beinahe das Aus für das etablierte Bochumer Festival bedeutet hätte, führt jedoch nun zu einer Modifizierung, die dem Charakter von Macondo womöglich noch näher kommt: „Von Autoren wird immer wieder die familiäre und persönliche Note unseres Festivals gelobt“, erläutert Schorneck: „Bereits im letzten Jahr, als aus Geldmangel eine lange Nacht mit früheren Debütanten platzte, haben wir den Grundgedanken mit einem zwar kleineren, aber hochkarätig besetzten Ehemaligentreff weiter verfolgt. Diesen Weg wollen wir nun konsequent weitergehen, indem wir auf der einen Seite Debütautoren vorstellen, auf der anderen hingegen den Kontakt pflegen und dem Publikum die Entwicklung unserer Entdeckungen zeigen.“ Und so wird auch der „Ehemaligentreff“ nun zu einem festen Bestandteil des Festivals.
Guter Riecher
Und dass die Macondo-Macher ein sicheres Gespür für Literatur haben, zeigt auch diesmal wieder der Blick auf die ehemaligen Debütanten, die nach Bochum zurückkehren: Lucy Frickes neuer Roman ist Herbst-Spitzentitel bei Rowohlt, Mariana Lekys „Herrenausstatterin“ stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Apropos Deutscher Buchpreis: Melinda Nadj Abonji, Teilnehmerin des „Debütantenballs“ 2004, steht mit ihrem Roman „Tauben fliegen auf“ sogar auf der Shortlist. „Als wir bei Melinda anfragten, ob sie wieder nach Bochum kommen möchte, war damit noch nicht zu rechnen“ freut sich Mit-Organisatorin Petra Vesper. Die in Zürich lebende Autorin mit ungarisch-serbischen Wurzeln wurde mit einem besonderen Konzept eingeladen: Gemeinsam mit dem Rap-Poeten und Human Beatboxer Jurczok 1001 erarbeitet sie auf der Grundlage von Romanauszügen eine Performance aus Text, Elektrischer Geige, Gesang, Human Beatbox und Loops. Ein Hörgenuss der besonderen Art ist garantiert.
Hier spielt die Musik
Insgesamt spielt die Musik eine große Rolle in diesem Jahr: Die Eröffnungslesung bestreitet der Singer/Songwriter Julian Dawson, der seine kürzlich in der Edition Elke Heidenreich erschienene Biographie des Musikers Nicky Hopkins vorstellt, der als Studio-Musiker neben vielen anderen die Stones, die Beatles oder die Kinks am Piano begleitete. Selbstverständlich hat Dawson auch einige Hopkins-Songs im Gepäck. Elvis-Songs hingegen, gespielt von Janin Johanson, gibt es zu hören, wenn Jana Scheerer beim „Ehemaligentreff“ ihren Roman „Mein innerer Elvis“ vorstellt. trailer-Lesern ist Jana Scheerer keine Unbekannte: Erst kürzlich wurde sie im Literatur-Portrait vorgestellt. Gleiches gilt für Sascha Reh, der Gast beim Debütantenball sein wird. Auch die Portraits zu zwei Lyrikern, die beim „Club der jungen Dichter“ mitmischen, gab es im trailer zu lesen: Marion Poschmann und Christoph Wenzel. Kein Wunder also, dass trailer das Festival als Medienpartner unterstützt.
Auch für junge Leseratten ist wieder gesorgt: Die Bochumer Kabarettistin und Kinderbuchautorin Fritzi Bender, ebenfalls an dieser Stelle bereits ausführlich vorgestellt, führt mit ihrem Kinderbuch „Balduin bleibt grün“ in die kunterbunte Chamäleon-Kita und bringt selbstverständlich auch die Balduin-Handpuppe mit, um ihre Zuhörer ab 3 Jahren zu begeistern.
Die Termine:
Mi, 20.10., 20 Uhr
Julian Dawson: Nicky Hopkins - Eine Rocklegende (Lesung mit Musik)
Do, 21.10., 20 Uhr
Debütantenball: Mit Annika Scheffel, Sascha Reh u.a. I Musik: Bene von Randow (DJ)
Fr, 22.10., 20 Uhr
Ehemaligentreff: Mit Lucy Fricke, Mariana Leky, Jana Scheerer I Musik: Janin Johannsen (Singer/Songwriter)
Sa, 23.10. 20 Uhr
Melinda Nadj Abonji/Jurczok 1001: Performance mit Text, Human Beatbox, Violine
So, 24.10. 15 Uhr
Kinderlesung: Fritzi Bender: Balduin bleibt grün
So, 24.10. 20 Uhr
Club der jungen Dichter: Mit Adrian Kasnitz, Marion Poschmann und Christoph Wenzel I Musik: Serge Corteyn (Gitarre)
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