Ziemlich selbstbewusste Mädchen hat uns Matthew Forsythe schon mit Pokko („Pokko und die Trommel“) und Mila („Mila“) beschert. Seine kleinen Heldinnen lassen sich von der Welt der Erwachsenen nicht beeindrucken. Auch Aggie weiß, was sie will, nämlich allein sein. Kann man ihr nicht verdenken, lebt sie doch in einem gemütlichen kleinen Haus, das wie ein Pilz aussieht. Allerdings beginnt es hier zu spuken. Ob sie sich einen Tee kocht, Gitarre spielt oder im Garten die Blumen gießt, stets wird sie von jemandem beobachtet. Es handelt sich um einen kleinen Geist, einäugig, mit weißem Kleid und den roten Bäckchen eines Kindes. Aggie redet nicht lange um den heißen Brei herum, sondern konfrontiert den kleinen Geist mit einem ganzen Katalog von Regeln, an die er sich zu halten hat. Dazu gehört ebenso das Verbot, ihre Socken zu tragen wie heimlich den Käse zu mampfen.
Nur hält sich der Geist an keine Abmachung und beginnt, zu Aggies lästigem Begleiter zu werden. Matthew Forsythe dreht die Schraube des Konflikts zwischen den beiden immer um eine Drehung weiter. Als Aggie keine andere Lösung mehr findet, beginnen die beiden zu spielen. Das heißt aber nicht, dass sich ihre Beziehung in Harmonie und Wohlgefallen auflösen würde. Forsythe erzählt mit schönen, dunklen Farben, im Bildvordergrund geht es jedoch hell zu, so dass die Illustrationen Tiefe bekommen. Mitunter gewinnt man den Eindruck, als schaue man in das Innere eines Uhrwerks. Auch wenn Aggie von dem einäugigen kleinen Geist genervt ist, strahlt sie doch unerschütterliche Entschlossenheit aus. Forsythe gelingt es, mit wenig Aufwand eine Gestalt zu kreieren, die mit nicht mehr als zwei Punkten für die Augen, einem Strich als Mund und einer Zipfelmütze eine Heldin abgibt, die in jedem Moment Persönlichkeit ausstrahlt. Als Aggie den Geist losgeworden ist, merkt sie dann doch, dass ihr etwas fehlt. Aber selbst solche Arrangements nehmen sich bei Matthew Forsythe wie eine originelle Pointe aus. Unverwechselbar sind seine Bilderbücher, auch weil sie sich bedingungslos mit humorvollem Ernst auf die Seite der Kinder schlagen.
Matthew Forsythe: Aggie und der Geist | A. d. Engl. v. Rita Fürstenau | Rotopol | 32 S. | 16 €
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