Wenn das (Musical-)Theater in die verdienten Sommerferien geht, kommt regelmäßig seine Stiefschwester, die Show, steil aus dem Gebüsch, um in der Kölner Philharmonie ein Feuerwerk aus Musik, Tanz und Gesang abzufackeln.
Den Anfang beim 27. Sommerfestival machen vom 11.-13.7. die neun Männer und acht Frauen des stimmgewaltigen Cape Town Opera Chorus, der 2013 als bester Opernchor des Jahres ausgezeichnet wurde. Sie schlagen mit drei Liedern aus George Gershwins „Porgy und Bess“ auch gleich die Brücke zwischen Oper und Musical, tanzen, begleitet von einem „einsamen Klavier“, den Walzer aus Gounods „Faust“, um sich dann zu Trommelwirbeln den traditionellen Klängen ihrer südafrikanischen Heimat hinzugeben. Wer bei diesen Stimmen keine Gänsehaut bekommt, sollte seine Gefühlskälte mal analysieren lassen.
Nicht weniger unter die Haut gehen die großartigen Choreographien des Alvin Ailey American Dance Theater, das zum wiederholten Mal seine Fans in der Domstadt beglücken wird. Zwei unterschiedliche Programme umfasst das Gastspiel in der Zeit vom 15.-27.7., wobei neben dem immer wieder berührenden – von Alvin Ailey 1960 noch selbst einstudiertem – Klassiker „Revelations“ auch zwei Erstaufführungen zu sehen sein werden: „Lift“ und „Home“. Aszure Barton schuf mit „Lift“ die jüngste Choreographie für die Company, die zu der dynamischen Perkussion-Komposition von Curtis Macdonald die Tänzer an ihre physischen Grenzen führt, ohne ihnen ihre Eleganz zu nehmen. In „Home“ reflektiert Choreograph Rennie Harris das Leben mit und den Kampf gegen AIDS, lässt dabei Hip-Hop-Moves mit pulsierenden Gospel-House-Klängen verschmelzen – und zelebriert so eine bewegende Hommage an den 1989 an der Immunschwäche-Krankheit verstorbenen Ailey.
Bleibt einem bei diesen artistischen Leistungen der Mund vor Staunen offen stehen, so hat man bei der anschließend gastierenden „Brasil Brasileiro“-Show (29.7-10.8.) ständig das Bedürfnis, man müsste auf die Bühne springen und mitmachen – zumindest aber den Nachhauseweg tänzelnd beschreiten. Die von einer Live-Band begleiteten Tänzer der Truppe, die uns die Vielfalt des Samba geradezu sinnlich miterleben lassen, sind sozusagen „Straßenfußballer“ des Tanzes, die das alltägliche Lebensgefühl ihres Landes über den Atlantik schwappen lassen. Eine von überbordender Lebensfreude getragene Augen- und Ohrenweide mit Gute-Laune-Garantie. Dass man auch das augenscheinlich musikalische Chaos zu einer perfekten Show arrangieren kann, zeigt zum Abschluss des Sommerfestivals das Lost & Found Orchestra (13.-17.8.), das neue Rhythmus-Spektakel der „Stomp“-Macher Luke Cresswell und Steve McNicholas. Flaschenblasebälge, Gartenschläuche, Sägen, Suppenkessel-Pauken, ein Saiten-Wok und ein zum Bass umfunktionierter Bettrahmen bestimmen den schrägen Ton, der die Performance ein ums andere Mal aus den Fugen geraten lässt – sehr zum Vergnügen des Publikums, das seinen Hausrat plötzlich mit anderen Augen und Ohren sieht und hört – und dem bei der nächsten Entrümpelung vielleicht der eine oder andere kreative Gedanke kommt.
27. Kölner Sommerfestival | 11.7.-17.8. | Kölner Philharmonie | 0221 28 02 80
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