Es begann als freche Revolte gegen das Establishment, in der Kunst und im Leben. Auf Ablehnung folgte Begeisterung, dann die Kommerzialisierung und irgendwann, sehr viel später, die eigentlich nie gewünschte Anerkennung des Feuilletons. Heute ist der Expressionismus ein beliebtes Thema für germanistische Abschlussarbeiten. Die Geschichte der Popmusik lässt sich ganz ähnlich erzählen – das einige der insgesamt sieben Spielstätten des New-Fall-Festivals in Düsseldorfer Ehrendorf liegen, einem expressionistischem Gebäudeensemble, ist da ein passender Zufall.
Über 10.000 Besucher lockte das Festival, bei dem sich Pop- und Hochkultur die Hand reichen, letztes Jahr in die Landeshauptstadt. Zu den etablierten Spielstätten der letzten vier Jahre kommen nun zwei hinzu: das Capitol Theater und das NRW-Forum im Ehrendorf. Das Forum passt auch perfekt zum New Fall-Konzept: Markenzeichen von beiden ist die Vermischung von U- und E-Kultur. Am Festivaldonnerstag treffen sich dort Akteure der elektronischen Musik, Wissenschaftler und Autoren zum „Academic Symposium.“ Vorbei die Zeiten, in denen elektronische Musik für ekstatischen Anarcho-Hedonismus stand – jetzt wird debattiert. Auch ein Thees Uhlmann kommt nicht mit Gitarre im Gepäck zum New Fall, sondern um aus seinem im Oktober erscheinenden Roman zu lesen (31.10., 23 Uhr, NRW-Forum).
Popkultur goes intellektuell – solange die Musik nicht drunter leidet, was soll’s? Und das tut sie keineswegs, wie die Norweger von Aurora beweisen (29.10., 20 Uhr, Robert-Schumann-Saal). Denn von der Pflicht zur Eingängigkeit hat sich zeitgenössische Popmusik längst verabschiedet: Auf streichzarten Synthie-Flächen singt Frontfrau Aurora Aksnes davon, wie es sich anfühlt mit den Wölfen zu rennen – sehr langsam, schön und diskret. Man begreift: Unverfänglich ist das neue eingängig.
So auch beim Duo „Boy“ (30.10., 20 Uhr, Tonhalle), dem musikalischen Äquivalent zum Schlafzimmerblick im besten Sinne. Sanfte Stimmen hauchen dem Hörer ins Ohr: Die große Party ist vorbei, komm zur Ruhe. Wir haben jetzt Zeit für uns. Für Songs, jenseits der von Radio-Redakteuren erfundenen Dogmen.
Die (ein wenig) erwachsen gewordene Popmusik blickt nun stolz auf ihre Geschichte zurück: Der Norweger Bernhoft bringt den Soul zurück auf die Bühne (31.10., 20 Uhr, Robert-Schumann-Saal) und Two Gallants vermischen die Romantik von Folkmusic im Stil Bob Dylans mit hartem Alternative-Sound (1.11., 20 Uhr, Tanzhaus NRW). Und, nicht zu vergessen, es gibt auch noch die jung Gebliebenen, die Rebellen und Frechdachse: Musiker und Entertainer Olli Schulz spielt am 1.11. um 20 Uhr im Capitol Theater, Satire-Rapper Alligatoah bespielt am selben Tag um 16 Uhr die Tonhalle – in Begleitung des RheinBrass-Ensembles der Robert-Schumann-Hochschule.
New Fall Festival | Mi 28.10. - So 1.11. | diverse Orte, Düsseldorf | www.new-fall-festival.de
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