Eine selbst ernannte Metropole zwischen Aufbruch, Angst und Resignation. Und eine regionalpolitische Klasse, die immer noch von einem immerwährenden Strukturwandel träumt. Vielleicht ist es der gleiche Selbstbetrug wie der in US-Amerika unausrottbare so genannte American Dream, den es eigentlich nie gegeben hat, aber von Millionen Menschen bis heute geträumt wird. Der Traum von einem für Arme unerreichbaren besseren Leben, die aber wenigsten an die Chance dazu glauben, das ist auch der Spirit in Liedern des US-amerikanischen Gitarrenbarden Bruce Springsteen, der als einer der wenigen die bereits sterbende DDR rocken durfte, was wohl auch den in Ostdeutschland (1986) geborenen Dramatiker Wolfram Höll und den Schweizer Musiker Elia Rediger zum Hörspiel „Nebraska“ inspirierte, das im letzten Jahr für den natürlich online stattgefundenen Deutschen Hörspielpreis der ARD nominiert war.
Flüchtiger Traum
Natürlich hat es auch mit dem in vielen ehemaligen Industrie-Regionen US-Amerikas nie stattgefundenen Strukturwandel zu tun. Zwischen dem brachialen „Motorcity is burning“ der MC5 1969 und Springsteens analytischem „Born to run“ von 1975 liegen nur ein paar Jahre, doch das miese Gefühl der Verlierer*innen der Gesellschaft und ihrem sinnlosen Streben nach irgendeinem Paradies hat sich bis heute nicht verflüchtigt. Kein Wunder ist es also, das genau dieser Text den Weg auch in ein Ruhrgebiets-Theater gefunden hat und in Oberhausen von der Regisseurin Elsa-Sophie Jach in ein, ich zitiere mal „abenteuerliches absurd-dynamisches Road Movie auf der Suche nach Glück, Leben und Erfolg – oder nach dem, was wir dafür halten“ adaptiert wurde. Worum geht es?
Eine Fleischfabrik hat die Tore bereits geschlossen (wie unnahbar aktuell), ein großer Autobauer wird wohl folgen. Also „No future, no future for you“ (Sex Pistols, 1977)? Im Stück Nebraska wird daraus auch ein riesiges Fragezeichen am nebligen Horizont. Mary und Max brechen auf in Richtung Sehnsucht. Die Jugend geboren aus Kohle und Stahl flüchtet dem Untergang und der Sonne entgegen. Natürlich im fahrenden Untersatz, auf vielleicht nicht ganz so endlosen Straßen, aber immer mit dem flüchtigen Traum vom besseren Leben im Herzen und Bruce Springsteen im Ohr: „The highway's jammed with broken heroes, on a last chance power drive, everybody's out on the run tonight, but there's no place left to hide“. Einsam und langweilig wird das Road-Movie also nicht, sie begegnen Menschen die auch nach dem „Irgendwo im Nirgendwo“ unterwegs sind und Kitty, Joe, Hank und Johnny – vielleicht haben wir sie ja bereits bei John Steinbeck oder Mark Twain kennengelernt. Oder doch bei Ed Wood?
Nebraska | 15.5. (Stream der Uraufführung), 22.5., je 19.30 Uhr | Theater Oberhausen
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