Er ist der Schwiegermutter-Typ: Picobello sieht er aus mit seinem gut sitzenden Anzug und dem weißen Hemd. Bodo Wartke kann sich nach eigenen Angaben trotzdem extrem dämlich verhalten. Schuld daran sind die Testosteron-Schübe, in deren Verlauf er Frauen mit den Worten anbaggert: „Ich werde heute Nacht am besten bei dir wohnen, glaub mir, das wird sich für uns beide lohnen, Baby, vor allem für dich, zweifelsohne ...“. OK, das reimt sich wenigstens. Der 1977 in Hamburg geborene Musik-Kabarettist gastiert in diesem Monat mit zwei Programmen in der Region: Am 4.5. ist er mit „Klaviersdelikte“ im Dortmunder Konzerthaus, am 30.5. mit „König Ödipus“ im Schauspielhaus Bochum zu erleben. Wobei er die ganze Tragik des Sophoklesschen Vatermörders in elf Szenen innerhalb von 120 Minuten vor den Augen der Zuschauer entfaltet – und mit Zitaten aus „Rumpelstilzchen“ und „Hamlet“ anreichert. Kurz: Seine Version der Geschichte ist weder bierernst noch werkgetreu, sondern ein kecker Streifzug durch das hehre Bildungsgut.
Wieso er denn nicht in großen Hallen spiele, wird Volker Pispers oft gefragt. Die Antwort: Tut er doch! So tritt er zum Beispiel am 8.5. in der Emscher-Lippe-Halle in Gelsenkirchen auf, und zwar mit seinem Dauerseller-Programm „Bis Neulich“, das im Herbst 2002 das Licht der Bühnenwelt erblickte und seitdem ständig aktualisiert wird. Neue und alte Texte werden kunstvoll zusammengewürfelt – und siehe da, es stellt sich heraus, dass sich kaum etwas verändert hat an den grundlegenden Problemen der Gesellschaft, ihrer medialen Aufarbeitung und der Ignoranz jener, die das Volk angeblich vertreten. Pispers gehört zu jenen integren Kabarettisten, die sich selbst in all den Jahren treu geblieben sind. Mit lächelnder Miene dröselt er die Zusammenhänge von Parteiproporz, Lobbyismus und Politiker-Willkür auseinander, legt die Verzahnung von Wirtschafts-Hierarchen mit den Machthaber in Berlin bloß und haut den Zuschauern die Folgen der eigenen Ignoranz – sei es im Hinblick auf die Globalisierung oder den unerschütterlichen Glauben ans unendliche Wachstum – um die Ohren, auf dass im Oberstübchen kräftig abgestaubt und aufgeräumt wird.
Einen wesentlich anderen Ansatz, um dem Leben ein Schnittchen zu schmieren (wie Sebastian23 es wohl formulieren würde), hat Michael Hatzius mit seiner 379 vor Christus geborenen Echse, ein schlammfarbenes Reptil, das zusammen mit Aristoteles das Theater der Welt gegründet und seitdem verdammt viel erlebt hat. Mit seiner Zigarre im Maul pafft er sich durch die Republik, ohne dass sich jemand beschwert. In seinem Alter darf man das – wie Altkanzler Helmut Schmidt. „Die Echse und Freunde – das volle Programm“ (am 4.5. in der Gelsenkirchener Kaue) ist so ziemlich das Beste, was das Genre Puppenspiel zu bieten hat. Das Tier als Metapher auf den Lauf der Welt – ein Geschöpf, das nicht nur über die Vergangenheit Auskunft geben kann, sondern auch mit Hilfe einer Glaskugel in die Zukunft blickt. Dabei verschwindet Hatzius nur scheinbar hinter der Echse. Der an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ ausgebildete Puppenspieler hat nicht nur sein Handwerk gelernt, er weiß auch, wie das Publikum funktioniert. „Die Menschen nehmen den Kunstfiguren nichts übel“, erklärt er. Deren Geheimnis bestehe nicht zuletzt darin, dass so ein animiertes Wesen völlig uneitel ist. „Die Puppe denkt nicht, aber der Zuschauer denkt, dass sie denkt“. Mehr noch. Man meint sogar, dass sich deren Gesichtsausdruck ändern könne, so Hatzius, „eine gelungene Puppe trägt einen variablen Charakter in sich“. Was bedeutet, dass sie als Projektionsfläche für die eigenen Emotionen dient. Anders gesagt: Die Puppe ist ein Medium. Wenn dieses Medium nun behauptet, Puppenspieler seien blöd, schließt sich der Kreis – und ich meine Empfehlungen für den Wonnemond, aber nicht ohne auf das Gastspiel von Ulrich Tukur & die Rhythmus Boys am 22.5. im Oberhausener Ebertbad hinzuweisen. Die „Musik für schwache Stunden“ ist zum Dahinschmelzen – schwört hoch und heilig Ihre stets über Tage lebende
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