Kaum Operette, seltsame Häufungen und erstaunliche Lücken im Repertoire, aber auch spannende Neuentdeckungen: Generell bemühen sich die Opernhäuser in Nordrhein-Westfalen in der kommenden Saison um Vielfalt und ambitionierte Leuchtturmprojekte. Da die Zahl der Premieren begrenzt ist, bleiben Wünsche offen. Rätselhaft bleiben immer wieder zu beobachtende Neuinszenierungs-Wellen bestimmter Werke.
Beispiel: Pietro Mascagnis sizilianisches Ehe- und Ehrendrama „Cavalleria rusticana“. Jahrelang kaum anzutreffen, taucht es jetzt gleich drei Mal auf: in der traditionellen Kombi mit Ruggero Leoncavallos „Pagliacci“ in Hagen und – unter der Regie von Manuel Schmitt – am Aalto-Theater Essen. In Dortmund spannt Gil Mehmert den Einakter mit Puccinis „Gianni Schicchi“ zusammen. Vergessen wird dabei, dass andere Kurzopern die Doppel abwechslungsreicher machen könnten.
Weiteres Beispiel: Puccinis „La Bohème“. Braucht es drei Neuinszenierungen in einer Saison, in Detmold (Katharina Thoma), Krefeld-Mönchengladbach (Dennis Krauß) und Bonn (Leo Muscato)? Dass Frederic Loewes „My fair Lady“ in Duisburg, Gelsenkirchen, Hagen und Köln Sprachunterricht bekommt, ist angesichts der ausgedörrten Landschaft der Operette schon beinah ärgerlich. Was auch auffällt: Um Mozarts „Entführung aus dem Serail“ scheinen die Opernhäuser seit einiger Zeit einen Bogen zu machen. Political Correctness angesichts des „morgenländischen“ Sujets?
Auf der anderen Seite werden ausgetretene Pfade verlassen. In Dortmund schafft es Heribert Germeshausen immer wieder, die überregionale Aufmerksamkeit auf sein Haus zu lenken. Diesmal mit einer szenischen Uraufführung, Bernhard Langs „Brünnhilde brennt“ – mit Catherine Foster als prominenter Besetzung und unter der Regie von Neil Barry Moss, dem designierten Intendanten des Theaters in Münster. Dazu passend: „Guercœur“, die einzige Oper des 1914 von deutschen Soldaten getöteten Wagner-Bewunderers Alberic Magnard.
Essen eröffnet die Spielzeit mit Erich Wolfgang Korngolds symbolistischem Klangrausch „Das Wunder der Heliane“ und setzt seinen Einsatz für Frauen-Musik mit der Uraufführung von „Day of Night“ der Finnin Outi Tarkiainen fort. Bonn widmet sich der 1984 uraufgeführten Oper „Der Weltuntergang“ des österreichischen Elektronikpioniers Wilhelm Zobl und übernimmt aus Nürnberg Anno Schreiers bewegendes Drama „Turing“ um das Schicksal des schwulen Computerpioniers. Empfehlenswert: Düsseldorf spielt Arrigo Boitos „Mefistofele“, Essen verspricht Vergnügen mit Albert Lortzings „Zar und Zimmermann“ und in Bonn inszeniert Peter Konwitschny Glucks „Iphigenie auf Tauris“.
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