Vor mehr als fünfzig Jahren begann die launige Geschichte der „Orgel der Zukunft“, die ein zeitreisender Orgelspieler namens Peter Bares im idyllischen Rheinstädtchen Sinzig nach eigenen Visionen von einer Orgelfirma entwickeln ließ. Lange hielt die örtliche Gemeinde dem futuristischen Klangsinn ihres Kirchenmusikers stand, dann fand er eine neue Bleibe bei dem gleichgesinnt zeitgenössisch interessierten Pater Mennekes in Kölns Kirchenraum von Sankt Peter, damals schon bekannt als „Kunst-Station“ – ein sakraler Raum auch der bildenden Kunst. Dieser und den folgenden Entwicklungen verdankt seit mehr als zwei Jahrzehnten Köln die Existenz des „Internationalen Festivals für zeitgenössische Orgelmusik“ mit einer sehr besonderen Orgel: Peter Bares ließ die traditionellen Instrumente nach eigenen Bedürfnissen klanglich aufrüsten.
Nun können sich die konservativen Orgelmusikfans natürlich abschätzig über die Operationen an der „Königin der Instrumente“ äußern und auf die grenzenlosen Möglichkeiten der elektronischen Musik verweisen. Aber in Zeiten, wo in vielen Supermärkten Aktions-Keyboards angeboten werden, die mit ihren synthetischen Klängen Kinder- und Mütterherzen höher schlagen lassen, birgt ein exotisches wie einzigartiges akustisches Instrument wie die Bares-Orgel der Firma Peter soviel Wärme und harmlose Witzigkeit, dass sich zur Festivalzeit verschiedene aktuell komponierende Kreative mit ihren eigens für dieses Instrument geschaffenen Werken präsentieren: Jauler, Sirene und Hahnenschrei sind nur einige der eher seltenen Klangvarianten, permanent zu schalten oder wie einen Rennwagen zu beschleunigen andere, dazu ein Perkussionsensemble vom Feinsten. Tonsetzer/innen können die Glocken im Kirchenturm mitschlagen lassen – was häufig im Kirchenkonzert als Störung empfunden wird, hier gedeiht es zu artistischem Zugewinn.
Michael Veltman als amtierender Kirchenmusiker am Hause eröffnet die Konzertreihe, u.a. mit einer Echo-Komposition für Orgel und Kontrabass. Meist erklingen frische Werke, oft aus der Feder der internationalen Interpret:innen, häufig wird auch einfach improvisiert – manches große Werk der französischen Schule klingt ja wie eine auf Papier erstarrte Improvisation. So heißt der Abschluss „Michael Veltman and Friends – Improvisationen“ – lasset die „Orgel der Zukunft“ ertönen.
Orgelmixturen 2026 – 22. Internationales Festival für zeitgenössische Orgelmusik | 14. bis 30.10. | Kunst-Raum Sankt Peter Köln
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