„Elefant im Raum“
Foto: Presse

Rappen bis der Arzt kommt

23. Februar 2012

Der „Elefant im Raum“ in Moers – Theater Ruhr 03/12

Eine Gitarre, ein Fahrrad, ein Krankenzimmer mit Funktionsmöbeln und verschlossenem Ausgang. Manche Welten wirken ziemlich steril. Im Schlosstheater Moers hat Barbara Wachendorf ein Szenario mit lebensbedrohenden Krankheiten entwickelt. Es ist eine Dokumentation der Befindlichkeit derer, die das mögliche Sterben besiegt haben, die ins Leben zurückkehrten und von ihrer Reise durch die Schulmedizin noch berichten können. Die Regisseurin und der Dramaturg Felix Mannheim lassen auf der Bühne und in Videos Jugendliche zu Wort kommen, die als Kinder lebensbedrohlich erkrankt waren. Ihre enorme Lebensbejahung will kein Mitleid, keinen Voyeurismus, sondern Teilhabe an einer Normalität, die für sie wesentlich leichter scheint als für Angehörige. Der schnodderige, unsentimentale Umgang mit ihrer Erkrankung wirkt manchmal etwas aufgesetzt, als sei es nicht nur Teil einer Selbsttherapie, sondern auch der gesunde Reflex auf die Lebensbedrohtheit.

Die Ensemblemitglieder Katja Stockhausen und Matthias Heße spielen das entwickelte Stück gemeinsam mit ehemals schwerkranken und gesunden jungen Menschen. Es ist teilweise ziemlich komisch, was einen brutalen Kontrast zum verhandelten Thema darstellt und auch etwas Verwirrung schafft. Das Mitleid in Form einer Ladung Schokoweihnachtsmänner wird zertrümmert, dennoch gibt es auch Momente, wo sich die Protagonisten lieber unter dem Teppich verkriechen wollen. Der Elefant, das große Problem, geistert eben immer unerkannt durch den Raum, denn der Tod anderer in Nachrichten oder Filmen ist zwar allgegenwärtig, doch im Gegensatz dazu manifestiert er sich in einer merkwürdigen Abwesenheit im tatsächlichen Leben. Hier wird das Sterben in Kliniken und Hospize ausgelagert, eine Auseinandersetzung damit verbeten. Das alles wir in „Elefant im Raum“ theatralisch auf die Schüppe genommen. Matthias Hesse rappt zwischendurch mal „Ich bin Arzt“, begleitet von rasselnden Pillendöschen und OP-Besteck als Trommelfeuer. Da erhalten die Berichte und Geschichten der jungen Menschen, die das Chemo-Martyrium überlebt haben, eine ganz neue Dimension.

„Elefant im Raum“ | Fr, 2.3., 19.30 Uhr | Schlosstheater Moers | Infos: 02841 8 83 41 10

Peter Ortmann

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